Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2022

15:05

Kommentar

Documenta: Endlich Konsequenzen aus dem Antisemitismusskandal

Von: Susanne Schreiber

PremiumDer Aufsichtsrat der Weltkunstausstellung hat Sabine Schormann entlassen. Die Geschäftsführerin hat viele kapitale Fehler gemacht.

Die Generaldirektorin der documenta fifteen und des Museums Fridericianum legt ihr Amt nieder. dpa

Sabine Schormann

Die Generaldirektorin der documenta fifteen und des Museums Fridericianum legt ihr Amt nieder.

Vier qualvolle Wochen hat es gedauert, bis in Kassel endlich personelle Konsequenzen gezogen wurden. Zwischen dem auslösenden Antisemitismusskandal und der faktischen Entlassung als Geschäftsführerin der Documenta fifteen häuften sich die Anzeichen, dass Sabine Schormann überfordert ist.

Der Anlass für den Skandal war das – zu spät – entfernte Agitprop-Banner „People's Justice“ des Kollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz. Mitten in Kassel prangten eingestreut in Kampfszenen des unterdrückten indonesischen Volkes zwei antisemitische Gestalten mit Schläfenlocken und Mossad-Schriftzug auf dem Helm. Eindeutig im „Stürmer“-Stil.

Der Schaden ist riesig, der Ansehensverlust für Deutschland immens.

Im Aufsichtsrat der Documenta sind nur noch die Stadt Kassel und das Land Hessen vertreten, nicht mehr der mitfinanzierende Bund. Am Samstag gab der Aufsichtsrat bekannt, dass der Vertrag der Geschäftsführerin einvernehmlich aufgelöst und ein Expertengremium berufen wird.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Sabine Schormann hat kapitale Fehler gemacht. Sie hat versprochen, die im Winter geäußerten Hinweise auf antisemitische Kunstwerke prüfen zu lassen, und es nicht getan. Sie hat den Skandal weder erkannt noch aufgearbeitet. Sie hat Verantwortung abgeschoben. Und sie hat nicht verstanden, dass die von ihr hochgehaltene Freiheit der Kunst auch Paragraf eins des Grundgesetzes unterliegt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Schormann hat sich an ihre Macht geklammert und Mitstreiter vergrault. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, sollte beraten und kam nicht zum Zug. Er zog sich aus Protest zurück. Es folgte die Künstlerin Hito Steyerl. Die international renommierte Videofilmerin ließ ihre Filminstallation abbauen.

    Das Kunstwerk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi zeigte antisemitische Darstellungen. dpa

    Documenta-Mitarbeiter bauen das Großbanner „People's Justice“ ab

    Das Kunstwerk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi zeigte antisemitische Darstellungen.

    Gescheitert ist Schormann als Geschäftsführerin und als Generaldirektorin. Denn der zusätzliche Titel und Machtzuwachs waren die Bedingung der Kulturmanagerin, als sie 2018 in Kassel antrat. Dafür bräuchte man allerdings Rückgrat.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×