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28.09.2022

10:28

Kommentar

Eine Inflationsprämie für Mitarbeiter ist gut angelegtes Geld

Von: Florian Kolf

Viele Firmen zögern noch, ihre Belegschaft angesichts der Inflation mit einer Sonderzahlung zu unterstützen. Doch es könnte sich lohnen – nicht nur für die Mitarbeiter.

Mitarbeiterin bei einem Ventilatorenhersteller picture alliance/dpa

Mitarbeiterin bei einem Ventilatorenhersteller

Firmen sollten vor allem an Mitarbeiter mit geringeren Löhnen Prämien zahlen – und das gegenüber den Gutverdienern in der Belegschaft verteidigen.

Es ist eine gute Nachricht: Zahlreiche Unternehmen zeigen Bereitschaft, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesichts der hohen Inflation eine Inflationsprämie zu zahlen. Die Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz, dass eine einmalige Zahlung von bis zu 3000 Euro steuerfrei bleiben soll, dürfte das erleichtert haben.

Doch genauso viele Unternehmen zögern noch oder lehnen Zahlungen ab. Sie verweisen auf ungeklärte Bedingungen der Steuerfreiheit. Außerdem sei es in dieser ökonomisch herausfordernden Lage gefährlich, mit Sonderzahlungen die Kraft des Unternehmens zu schwächen, hört man.

Sicher gibt es Firmen, die sich das zurzeit tatsächlich nicht leisten können. Aber für alle anderen Arbeitgeber wäre eine solche Prämie gut angelegtes Geld.

In der Pandemie haben viele Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Corona-Bonus gezahlt. Und auch damals war die Situation unübersichtlich, keiner wusste, wie sich die Nachfrage entwickelt und ob die Wirtschaft nicht doch in eine Rezession rutschen würde.

Doch es gibt einen fundamentalen Unterschied: Während die Zahlungen in der Corona-Zeit eher eine Anerkennung für die geleistete Arbeit unter schwierigsten Bedingungen war, ist heute das Geld bei vielen Menschen wirklich knapp. Mit einem Inflationsausgleich können Unternehmen wirkliche Hilfe im Alltag leisten angesichts der heftig gestiegenen Ausgaben für Lebensmittel und Energie.

Inflationsprämie: Firmen sollten nicht zur Gießkanne greifen

Aber gerade, weil es hier um Unterstützung und nicht um allgemeine Anerkennung geht, sollten Unternehmen sehr genau schauen, welche Mitarbeiter eine solche Prämie wirklich brauchen. Die Firmen dürfen nicht den Fehler der Bundesregierung wiederholen und Ausschüttungen mit der Gießkanne tätigen. Sie sollten stattdessen sehr gezielt die niedrigen Einkommen aufbessern.

Anschließend sollten sie den Mut haben, gut verdienenden Ingenieuren oder IT-Fachkräften zu erklären, warum sie eine solche Prämie vielleicht nicht bekommen: damit für die unteren Einkommensgruppen etwas mehr zur Verfügung steht. Gerade in Krisenzeiten muss auch Solidarität von denen eingefordert werden, denen es noch besser geht.

Das Schöne ist: Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden in einer schwierigen Situation beisteht und ihnen das Signal gibt, dass sie nicht allein sind, kann das eine große Loyalität erzeugen. So kann eine Inflationsprämie in Zeiten des Arbeitskräftemangels auch eine Investition in die Zukunft der Firma sein.

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