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28.04.2019

15:21

Kommentar

Endlich geht die FDP ihr Frauenproblem ernsthaft an

Von: Dana Heide

Bei den Liberalen soll es künftig eine Frauenquote für Entscheidungsgremien und Listenplätze geben. Dieser Schritt ist ein überfälliger Tabubruch.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (links), im Gespräch mit Bundesgeschäftsführer Marco Mendorf (links), Spitzenkandidatin Nicola Beer und FDP-Chef Christian Lindner. dpa

FDP-Bundesparteitag

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (links), im Gespräch mit Bundesgeschäftsführer Marco Mendorf (links), Spitzenkandidatin Nicola Beer und FDP-Chef Christian Lindner.

Erstmals in der Geschichte der FDP gibt sich die Partei so etwas wie eine Frauenquote für Entscheidungsgremien und Listenplätze. Für die Liberalen ist das ein Tabubruch. Er war längst überfällig.

Die FDP ist derzeit ohne Zweifel eine männerdominierte Partei. Das liegt nicht nur daran, dass es vor allem Männer sind, die an der Spitze der Partei Gestaltungsmacht haben. Nur AfD und CSU haben weniger Frauen unter ihren Mitgliedern als die Freien Demokraten.

Gerade mal jedes fünfte FDP-Mitglied ist weiblich. Die Partei kann noch so viele smarte Sprüche auf Social Media posten: In diesem Punkt wirkt sie seltsam verstaubt und aus der Zeit gefallen. Auch Parteichef Christian Lindner konnte den Trend zu weniger weiblichen FDP-Mitgliedern bisher nicht aufhalten – 1996 lag der Frauenanteil noch bei 25 Prozent.

Eine Partei, die modern sein will, kann in ihrer Personalpolitik nicht in der Vergangenheit verharren. Es ist daher gut, dass der Bundesvorstand nun eine Frauenquote beschlossen hat, auch wenn der getroffene Kompromiss wachsweich ist: Gemeinsam mit den Landesverbänden sollen Zielvereinbarungen über den Frauenanteil in Gremien und auf Listenplätzen getroffen werden. Sanktionen bei Nichterfüllung soll es nicht geben.

Dass sich die FDP-Führung entschlossen hat, Quoten einzuführen – und seien sie auch noch so wachsweich –, verdient Anerkennung. Die hitzigen Diskussionen über die Maßnahmen auf dem Bundesparteitag zeigen, dass sie damit ein hohes Risiko eingegangen ist.

Denn selbst dieser Versuch, das Frauenproblem der FDP zu lösen, führte zu heftigen Abwehrreaktionen bei vielen Parteimitgliedern. Gerade vor dem Hintergrund, dass die FDP für sich reklamiert, Wirtschaftskompetenz zu besitzen, wirkt das jedoch seltsam rückwärtsgewandt.

Die deutsche Wirtschaft hat längst erkannt, dass nur Lippenbekenntnisse nichts bringen. Es ist gut, dass auch die FDP endlich einen Schritt in Richtung Gegenwart gegangen ist.

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