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24.09.2019

18:30

Kommentar

Es braucht eine Greta Thunberg für den Weltfrieden

Von: Mathias Brüggmann

Die Karten am Persischen Golf werden jetzt völlig neu gemischt. Um den drohenden Krieg abzuwenden braucht es Mut, Ideen und entschlossenen Einsatz.

Wie im Kampf gegen den Klimawandel wird eine Vorkämpferin für den Weltfrieden benötigt. Reuters

Greta Thunberg

Wie im Kampf gegen den Klimawandel wird eine Vorkämpferin für den Weltfrieden benötigt.

Zeitenwende am Persischen Golf: Nach dem einseitigen Ausbruch der USA aus dem Iran-Atomabkommen sind nun Amerikaner und Europäer fast wieder auf einer Linie in der Causa Teheran. Gemeinsam verurteilen sie die perfiden Angriffe Irans auf das Herz der saudischen Ölindustrie. Die Politik der Europäer, den Iran durch eigenes Engagement im Zaum zu halten, sind gescheitert.

Den EU-Staaten fehlte der Mut, dem Iran wirklich ökonomisch etwas zu bieten und sich so der destruktiven Politik Donald Trumps zu widersetzen. Der Führung in Teheran fehlte am Ende die strategische Ruhe, sich weiter an das Atomabkommen zu halten und nirgends weiter zu provozieren.

Die Drohnen- und Marschflugkörperattacken auf die wichtigste Ölaufbereitungsanlage der Welt in Abqaiq, durch die mehr als die Hälfte der Ölproduktion Saudi-Arabiens lahmgelegt worden ist, ist für das Königreich ein 9/11-Moment: die fatale Einsicht – wie in den USA bei den Anschlägen am 11. September 2001 –, im eigenen Land angegriffen zu werden und sich nicht schützen zu können.

Und das hat politisch bedeutsame Folgen. Denn da ist der Drang wie nach dem Angriff auf New York und Washington, den Aggressor anzugreifen und zu vernichten. Doch das ist der Militärmacht USA in Afghanistan nicht ansatzweise gelungen. Die Taliban sind auf dem Weg zur Rückkehr an die Macht. Und Irans Revolutionsgarden sind ein ungleich stärkerer Gegner. Ein Angriff auf den Iran würde zum Inferno am ganzen Golf.

Da dies die meisten führenden Politiker dort wissen und Trump hoffentlich auch, bietet sich nach der Blamage Saudi-Arabiens eine letzte Chance: mit echten Verhandlungen über gegenseitige Sicherheitsgarantien die Streithähne am Golf an einen Tisch zu bekommen.
Aber wo ist der deutsche Außenminister, der sich das Verhindern eines Flächenbrandes auf die Fahnen schreibt und die verfeindeten Seiten zum Miteinanderreden bringt, der Deutschlands Ansehen in der Welt nutzt?

Heiko Maas, dessen Appell am Rande der UN-Vollversammlung sowohl intellektuell wie auch rhetorisch hinter dem der 16-jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg zurückbleibt, hätte längst Partner in China, Japan, Russland, Frankreich und Indien suchen müssen, um eine hektische Pendeldiplomatie am Golf zu entfachen. Um Perser und Saudis zum Verhandeln zu drängen.

UN-Versammlung

Merkel äußert sich kritisch zu Thunbergs Wutrede

UN-Versammlung: Merkel äußert sich kritisch zu Thunbergs Wutrede

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Aber wie im Kampf gegen den Klimawandel braucht es eine Greta für den Weltfrieden, da die herrschenden Politiker zu ausgebrannt, ideenlos und mutlos erscheinen. Aber wo ist eine Greta, die sich einem drohenden Krieg am Golf entgegenstemmt und eine Initiative für Sicherheit und Stabilität im Mittleren Osten anführt? Kann Angela Merkel das, die wenigstens nun Gespräche mit Trump und Irans Hassan Ruhani führt?

Mehr: Beim UN-Gipfeltreffen grenzt sich die US-Regierung ab. Doch im Streit um den Iran kommt Bewegung: Deutschland, Frankreich und Großbritannien kommen Trump entgegen.

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