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11.10.2022

07:10

Kommentar

Es gibt eine Lösung gegen die existenzgefährdenden Energiekosten: Freihandel

Von: Kevin Knitterscheidt

Unternehmen, die unter hohen Energiekosten leiden, haben derzeit das Nachsehen. Doch die Gaskrise darf nicht zum Grund für Protektionismus werden.

Mit einem sogenannten Gas-Auktionsmodell will die Bundesregierung der Industrie Anreize geben, Gas einzusparen und dieses gegen Entgelt etwa zum Heizen zur Verfügung zu stellen. dpa

Erdgas in der Industrie

Mit einem sogenannten Gas-Auktionsmodell will die Bundesregierung der Industrie Anreize geben, Gas einzusparen und dieses gegen Entgelt etwa zum Heizen zur Verfügung zu stellen.

Wenn deutsche Industrievertreter dieser Tage auf die Lage der Konkurrenz in den USA, in Ungarn oder in der Türkei blicken, dürften die meisten von ihnen einen gewissen Neid empfinden. Denn während hierzulande wegen der Gaskrise über Rationierungen, Abschaltungen und Notfallpläne diskutiert wird, erfreuen sich viele Länder, die derzeit nicht unter der kriegsbedingten Gasknappheit und den damit verbundenen hohen Energiekosten leiden, an einem Erstarken ihrer industriellen Wettbewerbsfähigkeit.

Das Nachsehen haben hingegen jene Unternehmen, die wegen der hohen Energiekosten derzeit in großem Umfang Marktanteile verlieren. Darauf mit Handelsbeschränkungen zu reagieren, um so wieder einen vermeintlich „faireren“ Wettbewerb herzustellen (wie das beispielsweise für den Import von CO2-intensiven Produkten aus dem Ausland derzeit im Rahmen des „Carbon Border Adjustment Mechanism“ in der EU diskutiert wird), wäre jedoch die falsche Antwort.

Die Lösung der Probleme liegt nicht in weniger, sondern in mehr Freihandel. Denn hohe Strompreisunterschiede zwischen zwei Ländern bedeuten letztlich auch, dass der Stromhandel zwischen ihnen erschwert ist. Meist hat das technische Gründe, weil die verschiedenen Stromnetze nicht ausreichend miteinander gekoppelt sind.

Schon länger versucht die EU daher, den innereuropäischen Stromhandel zu intensivieren. Doch die Mitgliedstaaten müssen auch mitziehen – und dafür gegebenenfalls auf Wettbewerbsvorteile verzichten, die sich für ihre heimischen Industrien durch eine derzeit günstigere Position bei der Energieversorgung ergeben.

Denn dass jene Länder, die über die höchsten Kapazitäten bei der Erzeugung erneuerbarer Energien verfügen, in Zukunft auch gleich noch die gesamte Industrieproduktion mitübernehmen, entspricht weder dem deutschen noch dem gesamteuropäischen Interesse.

Zu groß ist die Gefahr für den sozialen Frieden und damit auch für den europäischen Zusammenhalt, wenn in Deutschland, Frankreich und Italien gleichzeitig die industriellen Lichter ausgehen – selbst wenn sie daraufhin in einem anderen europäischen Land heller leuchten.

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