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30.09.2018

17:43

Kommentar

Facebooks Besserungsabsichten sind nur Lippenbekenntnisse

Von: Johannes Steger

Ein Hacker-Angriff auf Facebook erschüttert abermals das Vertrauen der Nutzer. Diese müssen allmählich aus ihrer digitalen Trägheit erwachen.

Nur ein Log-in eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Die Bequemlichkeit hat aber ihren Preis. Reuters

Facebook

Nur ein Log-in eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Die Bequemlichkeit hat aber ihren Preis.

Ein besseres Facebook – nicht viel weniger versprach das soziale Netzwerk Mitte Juli dieses Jahres seinen Nutzern. In der Vergangenheit habe man sich stark auf Innovationen und das Positive der Plattform fokussiert und dabei wichtigen Themen wie der Sicherheit auf der Plattform nicht immer genügend Aufmerksamkeit geschenkt, teilte der Konzern selbstkritisch mit. Aber man höre zu und lerne.

Dieses Bekenntnis ließ sich der Konzern etwas kosten, plakatierte er damit doch Werbeflächen und kreierte eine eigene TV-Kampagne. Nun zeigt sich: Das ewige „Wir haben verstanden“ scheint nicht mehr als ein Lippenbekenntnis zu sein. Denn schon wieder erschüttert ein Zwischenfall das Vertrauen der Nutzer.

Wie Facebook am Freitag mitteilte, haben sich bisher unbekannte Hacker Zugang zu fast 50 Millionen Nutzerprofilen verschafft. Inwieweit und ob sie das ausnutzten, ist noch unklar. Zudem hätten die Hacker auch auf andere Onlinedienste zugreifen können, die man mit dem Facebook-Log-in nutzt, heißt es in Medienberichten.

Sollte das der Fall sein, trifft es die Privatsphäre der Nutzer und den Schutz ihrer Daten aufs Empfindlichste – noch mehr, als es Skandale wie der um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica oder die versuchte Wahlmanipulation im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 getan haben. Der Datenhack und seine möglichen Folgen könnten daher auch eine ganz neue Gefahr für den Konzern aus Menlo Park bedeuten.

Meldungen über Hackerangriff als Spam markiert

Wir Nutzer haben uns in unserer Bequemlichkeit daran gewöhnt, nahezu alles über die Plattform abzuwickeln: private Nachrichten, Onlineshopping oder das Buchen der nächsten Ferienwohnung – alles einfach mit einem einzigen Log-in. Dass diese Informationen nun an Unbekannte verraten sein könnten, sollte uns aus unserer digitalen Trägheit wachrütteln. Wie sehr wollen und sollen wir uns auf der Plattform offenbaren?

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Auf das schwindende Nutzerwachstum hat sich Facebook längst vorbereitet. Der Konzern setzt auf Alternativen aus dem eigenen Haus.

Wahr ist: Gegen Hackerangriffe ist kein Unternehmen dieser Welt gefeit. Wahr ist auch: Facebook steht nach den Skandalen der Vergangenheit nicht unbedingt für ein Unternehmen, das die Bedürfnisse seiner Nutzer an oberste Stelle setzt. Unlängst wollte eine Gruppe von Journalisten und Forschern herausgefunden haben, dass Facebook auch solche Daten für Werbung benutze, die User nur für die Account-Sicherheit angeben.

Konkret soll das Netzwerk Telefonnummern, die lediglich zur Authentifizierung hinterlegt wurden, auch zur Anzeige von Werbung verwenden. Einen bitteren Beigeschmack hinterlässt übrigens die Meldung, dass Facebook kurz nach dem Hackerangriff Meldungen darüber – unter anderem von der britischen Zeitung „Guardian“ – als Spam markiert und kurzzeitig das Verbreiten verhindert haben soll. Ein besseres Facebook sieht anders aus.

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