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31.07.2019

18:16

Kommentar

Firmenchefs müssen rassistische Entwicklungen im eigenen Unternehmen bekämpfen

Von: Sven Afhüppe

Daimler-Chef Ola Källenius positioniert sich deutlich gegen rechte Hetze. Mit seiner klaren Haltung kann er Vorbild sein für andere Unternehmenslenker.

Mit seiner klaren Haltung kann der Daimler-Chef Vorbild sein für andere Unternehmenslenker dpa

Ola Källenius

Mit seiner klaren Haltung kann der Daimler-Chef Vorbild sein für andere Unternehmenslenker

Rassismus in Deutschland ist längst nicht mehr nur ein Thema für Politiker und Talkshows. Ausgrenzungen und Anfeindungen gegen Ausländer oder Deutsche mit Migrationshintergrund passieren immer häufiger auch im Arbeitsalltag deutscher Unternehmen.

Gegen rechte Hetze im eigenen Konzern hat sich jetzt Daimler-Chef Ola Källenius deutlich positioniert. In einer auf Deutsch und Englisch verfassten Erklärung betonte Källenius, dass „Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bei uns keinen Platz haben“.

Der Daimler-Boss reagierte mit der außergewöhnlichen Stellungnahme auf ein Video der rechten Gewerkschaft „Zentrum Automobil“, die sich gegen die Entlassung von zwei Daimler-Beschäftigten wehrt. Den Arbeitnehmern wurde gekündigt, weil sie einen türkischstämmigen Kollegen über Monate Hitler- und Hakenkreuzbilder zugesandt hatten.

Man kann beklagen, dass die Daimler-Führung zu spät auf die rechten Umtriebe im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim reagiert hat. Doch das Signal, das Källenius jetzt sendet, ist eindeutig und richtig. Als Vorstandschef eines Unternehmens, das Menschen aus mehr als 150 Ländern beschäftigt, sollte es die Aufgabe von Källenius sein, jede Form von Rassismus im Keim zu ersticken.

Källenius, der in Schweden geboren wurde, kann die Rolle als Wächter einer toleranten und offenen Unternehmenskultur glaubwürdig übernehmen. Mit seiner klaren Haltung kann der Daimler-Chef Vorbild sein für andere Unternehmenslenker, rassistische Entwicklungen in der eigenen Firma offen anzusprechen und entschieden anzupacken.

Das Thema sollte jedenfalls nicht länger verschwiegen werden. Jeder Manager hat auch die Verantwortung, von den eigenen Mitarbeitern die Einhaltung der Regeln und Werte unserer Verfassung einzufordern. Jeder rechtsextrem denkende und wählende Arbeitnehmer ist nicht nur eine Belastung für das eigene Unternehmen, sondern auch für unsere Demokratie.

In diesem Sinne sollten sich Wirtschaftslenker stärker in politische Debatten einmischen. So wie Siemens-Boss Joe Kaeser, der als erster Chef eines großen deutschen Konzerns offen auf Konfrontationskurs zur AfD gegangen ist und über Twitter Äußerungen der AfD-Politikerin Alice Weidel kritisierte. Sein Tweet „Lieber ‚Kopftuch-Mädel‘ als ‚Bund Deutscher Mädel‘“ war ein starkes Signal gegen rassistische Hetze.

Nationalismus schadet nicht nur dem Ansehen Deutschlands. Nationalismus schadet auch dem Ansehen deutscher Firmen, die vor allem vom Exportgeschäft leben. Daran sollte jeder Manager denken, wenn es um die Frage geht, wie man mit Rassismus im eigenen Unternehmen umgeht.

Kommentare (1)

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Liselotte Pulver

31.07.2019, 18:50 Uhr

Da heutzutage jegliche Kritik oder Bedenken an der gruen-linken Politik als "Rechts" gebrandmarkt wird, hat dieser Kommentar einen starken Geschmack von Meinungskontrolle. Was wird denn gegen links-sozialistisches Gedankengut unternommen?

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