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21.07.2019

13:00

Kommentar

Flixbus zeigt, wie deutsche Start-ups international zum Erfolg fahren können

Von: Dieter Fockenbrock

Flixmobility macht das, was Investoren lieben: ein Geschäftsmodell extrem schnell skalieren. Fraglich ist, ob die Firma ihre globale Expansion managen kann.

Flixmobility will nach Europa auch die USA und Südamerika für sich erschließen. AFP

Ein Flixbus in Paris

Flixmobility will nach Europa auch die USA und Südamerika für sich erschließen.

Wir Deutschen neigen ja dazu, besonders rasante Touren mit Argwohn statt Begeisterung zu betrachten. Andererseits bewundern wir die forschen Typen, die Chancen sehen, Risiken aber links liegen lassen.

Dementsprechend ist es nicht ausgeblieben, dass die Amerikaner uns bislang den Schneid abgekauft haben, die besten digitalen Geschäftsmodelle aufzuziehen. So entstanden Onlinehändler wie Amazon, Fahrdienste wie Uber. Plattformen, die inzwischen rund um den Globus den Ton angeben. Und die allenfalls staatlich geschützte Gegner aus China fürchten müssen.

Noch vor Kurzem hätte niemand gedacht, dass auch aus Deutschland einmal ein Start-up die Welt erobern könnte. Spätestens bei der Grenzüberschreitung, so die Mutmaßung, würde ein US-Konkurrent die Expansion stoppen. Und die Idee selbst groß aufziehen.

Die Gründer von Flixbus, Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein, lehren uns gerade etwas anderes. Dass hierzulande ein Start-up in einer dritten Finanzierungsrunde auch mal rund 500 Millionen Euro einsammeln kann, daran haben wir uns gewöhnt.

Bemerkenswert ist aber, was die Münchener damit vorhaben: Nur sechs Jahre nach dem offiziellen Start ihrer Flixbusse in Deutschland wollen sie nun Amerika und Asien erobern. Und das nicht nur mit Fernbussen. Das Start-up ist längst zu einer Plattform für mehrere Verkehrsmittel geworden. Flixmobility, so der Name der Dachmarke, fährt inzwischen Züge und steigt nun auch noch in die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten ein.

Das Geschäftsprinzip einer Mobilitätsplattform ohne eigene Assets, also ohne Busse und Züge, haben die Münchener in einem rasenden Tempo ausgebaut. In Deutschland sind sie Fastmonopolist, in den europäischen Nachbarländern bauen sie ihre Marktposition Schritt für Schritt aus.

Noch bevor dieser Prozess abgeschlossen ist, ging es schon nach Nordamerika. Jetzt sollen Südamerika, ein typischer Fernbus-Kontinent, und Asien aufgerollt werden. Im Sport würde man das einen Kickstart nennen. Der Motor ist noch gar nicht richtig warm gelaufen, schon geht es in die Vollen.

Flixmobility macht das, was Investoren lieben: ein Geschäftsmodell unglaublich schnell skalieren. Deshalb fällt es den Münchenern nicht schwer, anspruchsvolle Geldgeber hinter sich zu versammeln. Nach General Atlantic und Silverlake sind nun auch Permira und TCV dabei. Sie alle glauben daran, dass die Plattform überall in der Welt funktioniert.

Die entscheidende Frage wird aber sein, ob die noch extrem junge Firma ihre globale Expansion wird managen können. Denn im Gegensatz zu anderen virtuellen Plattformen muss Flixmobility vor Ort immer mit analogen Partner kooperieren. Irgendwer muss die Busse und Züge fahren.

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