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13.09.2018

19:00 Uhr

Kommentar

Für die Türkei gibt es noch keine Entwarnung

VonNicole Bastian

Nach der Währungskrise hat die türkische Notenbank Glaubwürdigkeit zurückgewonnen. Doch damit sind die Probleme des Landes noch nicht vorbei.

Mit dem jüngsten Anstieg der türkischen Lira ist nur ein kleiner Teil des Wertverlustes von fast 40 Prozent seit Jahresbeginn kompensiert. AFP

Türkische Lira

Mit dem jüngsten Anstieg der türkischen Lira ist nur ein kleiner Teil des Wertverlustes von fast 40 Prozent seit Jahresbeginn kompensiert.

So fühlt sich an den Finanzmärkten Erleichterung an. Um vier Prozent legte die Lira zwischenzeitlich zum Dollar zu, nachdem die türkische Zentralbank den Leitzins um mehr als sechs Prozentpunkte angehoben hatte. Die Zinserhöhung, die die Markterwartungen übertraf, war ein dringend nötiger Schritt, um international Vertrauen zurückzugewinnen.

Vertrauen in die Unabhängigkeit der Notenbank von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der es sich kurz vor der Sitzung nicht nehmen ließ, zu betonen, dass er strikt gegen eine Zinserhöhung sei. Vertrauen in die geldpolitische Handlungsfähigkeit angesichts einer auf fast 18 Prozent gestiegenen Inflation.

Damit ist eine weitere Eskalation der Krise erst einmal abgewendet. Doch damit sind wir nur zurückgekehrt zu einer Situation, die vor Erdogans verschärfter verbaler Einmischung in die Notenbankpolitik selbstverständlich schien.

Die Probleme der türkischen Wirtschaft sind nicht gelöst. Die US-Sanktionen gegen die Türkei etwa, ein Auslöser der Währungsturbulenzen, sind unverändert weiter in Kraft.

Und noch viel wichtiger: Die Anfälligkeit der Wirtschaft bleibt bestehen. Dazu gehören ein chronisches Leistungsbilanzdefizit sowie eine hohe Verschuldung der Unternehmen in Fremdwährung.

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Die Währungskrise in der Türkei hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Verträge dürfen künftig nur noch in Lira abgeschlossen werden.

Dies macht sie anfällig für Wechselkursrisiken. Und mit dem Anstieg der Lira heute ist nur ein kleiner Teil des Wertverlustes von fast 40 Prozent seit Jahresbeginn kompensiert.

Auch könnte die Inflation selbst nach dem massiven Zinsschritt ein Problem bleiben. Darauf bereitete die Notenbank schon einmal vor. Nicht umsonst inszenierte Erdogan seine Kritik an der Notenbank am Donnerstag noch einmal – sie wird im Zweifel sein Sündenbock sein.

Dabei sind die politischen Risiken unter ihm als Präsidenten, der Unternehmer, politische Gegner und Akademiker verhaften lässt, ein zentraler Grund dafür, dass sich das Vertrauen in die türkische Wirtschaft so schnell nicht zurückgewinnen lässt. Dafür braucht es weit mehr als einen mutigen Schritt.

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