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13.11.2022

19:00

Kommentar

Gefährliche Zinswende: Unterschätztes Risiko bei den Notenbanken

Von: Jan Mallien

Wegen der Zinswende werden viele Notenbanken in die Verlustzone rutschen. Das bedeutet finanzielle Belastungen für die betroffenen Staaten. Im Euro-Raum könnte das zum Problem werden.

Die Zinswende sorgt für Belastungen bei den Notenbanken im Euro-Raum und anderswo. Bloomberg

Italienische Notenbank in Rom

Die Zinswende sorgt für Belastungen bei den Notenbanken im Euro-Raum und anderswo.

Vielen Notenbanken drohen durch die Zinswende Verluste. Gerade in der Euro-Zone könnte dies zu einem Problem werden.

Auf der einen Seite haben nationale Notenbanken wie die Bundesbank, die Banca d’Italia oder Banque de France durch die jahrelangen Anleihekäufe im Euro-Raum hohe Bestände an niedrigverzinsten Staatspapieren. Die Zinseinkünfte, die sie dafür bekommen, sind wegen der langen Laufzeiten relativ stabil.

Andererseits müssen sie den Banken sofort deutlich höhere Zinsen für Einlagen zahlen. Das schmälert ihre Gewinne.

Für die Euro-Staaten heißt das: Die jeweiligen nationalen Notenbanken schütten künftig weniger Gewinne an die Finanzministerien aus. Das wird die Probleme bei den Staatsfinanzen noch verschärfen. Ohnehin müssen die Länder für neue Schulden deutlich mehr Zinsen zahlen.

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    Manche Ökonomen argumentieren, dass es länger dauert, bis sich die Zinswende auf die Staatshaushalte niederschlägt. Denn hochverschuldete Euro-Länder wie Italien haben die langjährige Niedrigzinsphase genutzt, um sich langfristig zu guten Konditionen zu verschulden. Dadurch wirken sich die höheren Kapitalmarktzinsen erst schrittweise auf den Schuldendienst aus. Berücksichtigt man aber, dass die nationalen Notenbanken wegen der Zinswende weniger Gewinne ausschütten, dürften die Folgen früher und stärker spürbar sein.

    Gleiche Standards für die Notenbanken wären wichtig

    Wie bedeutend die Effekte sind, lässt sich zum Beispiel daran ablesen, dass die italienische Notenbank Ende vergangenen Jahres etwa ein Viertel der Anleihen des Landes gehalten hat. Dies hatte zur Folge, dass der italienische Staat im Prinzip die Zinsen für diese Bonds an sich selbst gezahlt hat. Das Geld wurde vom Staat an die Notenbank überwiesen – was dort zu höheren Gewinnen führte. Die Gewinne hat die Notenbank dann wieder an den Staat ausgeschüttet.

    Angesichts der Bedeutung der Notenbanken für die Staatsfinanzen ist es umso wichtiger, die Folgen der Zinswende dort transparent zu kommunizieren. Dafür sollten die Währungshüter mehr Details dazu veröffentlichen.

    Die Notenbanken in Europa haben unterschiedliche Standards bei der Rechnungslegung. imago/Frank Sorge

    Gleiche Währung, andere Regeln

    Die Notenbanken in Europa haben unterschiedliche Standards bei der Rechnungslegung.

    Ein Problem dabei ist: Jede Notenbank im Euro-Raum verwendet eine andere Rechnungslegung. Die Bundesbank zum Beispiel hat bei ihrer Bilanzierung einen sehr vorsichtigen Ansatz verfolgt. In den vergangenen Jahren hat sie bereits hohe Wagnisrückstellungen gebildet, um für eine mögliche Zinswende gewappnet zu sein. Dadurch kann sie nun Verluste leichter abfedern. Andere Notenbanken haben das nicht getan.

    Gleiche Standards wären allein deshalb wichtig, weil für alle Euro-Länder die gleichen EU-Schuldenregeln gelten. Damit diese Regeln tatsächlich gleich sind, müssen auch die Zahlen der Staaten vergleichbar sein. Das sind sie aber nicht, wenn jede Notenbank unterschiedlich bilanziert.

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