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10.07.2022

18:44

Kommentar

Gründer sollten sich fernhalten von Investoren, die andere Start-ups im Stich lassen

Von: Larissa Holzki

Die Stimmung in der Wagniskapitalszene hat sich gedreht. Nur für ganz junge Start-ups ist noch Geld da – die sollten bei der Investorenwahl jetzt aber genau hinsehen.

Viele Start-ups müssen massiv sparen – und werden zum Teil von Investoren im Stich gelassen. IMAGO/MASKOT

Schwierige Aufgaben

Viele Start-ups müssen massiv sparen – und werden zum Teil von Investoren im Stich gelassen.

Deutschlands jüngste Gründergeneration muss gerade hässliche Vokabeln lernen: Der „Runway“ beziffert die Zeit, für die das Kapital noch reicht. Die „Burnrate“ bezeichnet die Summe, die jeden Monat für den laufenden Geschäftsbetrieb verbrannt wird. Mit „Fire Sale“ ist ein Notverkauf gemeint. Noch 2021 war so viel Geld im Markt, dass all das die Start-up-Gründer nicht gekümmert hat. Im Gegenteil: Vielmehr haben Investoren ihre Portfoliofirmen getrimmt, sich allein aufs Wachstum zu fokussieren. Koste es, was es wolle – und das war wortwörtlich gemeint.

Das Mantra rächt sich jetzt. Nicht so sehr für die Investoren. Vor allem für die Gründer und ihre Mitarbeiter. Der Markt für Tech-Aktien hat sich gedreht. Mit jungen Technologieunternehmen ist an der Börse in Zeiten steigender Zinsen, hoher Inflation und großer Unsicherheit nichts zu verdienen. Und damit ändert sich schlagartig, was die Investoren von Gründerteams erwarten: Sie sollen sparsam sein. Profitabel werden. Die Marge steigern.

Für viele Firmen wird das noch richtig schmerzhaft. Um es klar zu sagen: Entweder es geschieht ein Wunder, oder die Neugründungen stehen vor einer massiven Entlassungswelle.

Start-up-Investoren betonen gern, dass ihre Ziele mit denen der Jungunternehmen in Einklang stehen. Erst in der Krise erkennen manche Gründer, dass das nur für gute Zeiten gilt. Denn in schlechten Zeiten lohnt es sich nicht, jede Firma durchzubringen. Mehr denn je gilt die Aufmerksamkeit dem „Fund-Returner“, also der einen Firma im Portfolio, die mit einem Milliardenbörsengang sämtliche Kosten und eine hohe Rendite einfahren kann. Für die anderen hebt mancher Investor nicht mal mehr das Telefon ab. Für diese Firmen gibt es noch ein neues Wort: „Waisen-Start-up“.

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    Geld ist genug da, nur eben nicht für alle

    Zur gleichen Zeit machen viele Wagniskapitalgeber ganz, ganz jungen Firmen schon wieder Avancen. Sie kündigen neue Fonds für Unternehmen in der Frühphase an. Und die sind größer denn je. Das Kalkül leuchtet auch ein: Wenn diese Start-ups in fünf bis zehn Jahren an die Börse wollen, ist die Krise sicherlich vorbei. Geld genug ist ja da – nur eben nicht für alle.

    Für Gründer neuer Start-ups ist die Krise deshalb auch eine Chance. Besser denn je können sie jetzt ausmachen, welche Investmentgesellschaft wirklich gründerfreundlich ist. Man sollte nicht naiv sein: Natürlich geht es überall im Start-up-Geschäft am Ende nur ums Geld. Aber ans Telefon gehen sollte immer drin sein.

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