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02.08.2022

04:00

Kommentar

Grüne Anlageberatung droht Anbieter und Investoren zu überfordern

Von: Anke Rezmer

Wollen Sie Nachhaltigkeit in ihrer Depotstrategie berücksichtigen? Zu dieser Frage sind Anlageberater in Kundengesprächen ab sofort verpflichtet. Die Vorschrift ist nur auf den ersten Blick gut.

„Wie grün soll Ihr Finanzprodukt sein?“ Reuters

Erneuerbare Energien

„Wie grün soll Ihr Finanzprodukt sein?“

Frankfurt Die EU verpflichtet Anlageberater ab Dienstag, jeden Kunden zu fragen, wie er es in Sachen Nachhaltigkeit in seinem Depot halten möchte. Das ist eine Chance – für die Branche und für verantwortungsbewusste Anleger.

Aber der holprige Start ohne klare Vorgaben für die Berater kann dem komplizierten Thema nur schaden. Damit steht aber erneut die Glaubwürdigkeit der Finanzbranche auf dem Spiel, die beweisen muss, dass sie ihre hehren Ziele ernst nimmt und auch umsetzen kann.

Grundsätzlich ist es ja gut, dass wir nun mit Hilfe von Finanzberatern auch unser Anlagekapital zur Förderung von Umweltschutz, sozialen Kriterien und Prinzipien guter Unternehmensführung einsetzen können; zusammengefasst in dem Kürzel ESG. Aber die Frage bleibt, ob das neue Konzept mit drei nur scheinbar einfachen Fragen wirklich dazu beiträgt.

Denn beantwortet ein Anleger die erste Frage „Wollen Sie Nachhaltigkeit in ihrer Depotstrategie berücksichtigen?“ mit „Ja“, geraten er und sein Berater sofort in einen Dschungel. Der besteht aus anspruchsvollen Zielen und zugleich unkonkreten Vorgaben der EU-Politiker.

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    Zum Beispiel soll der Anteil nachhaltiger Investments in Fonds angegeben werden, aber es ist unklar, wie genau er berechnet werden soll. Die Branchenverbände haben dieses Wirrwarr in ein sicher gut gemeintes Konzept übersetzt, das aber keine Rettung aus dem Dickicht verspricht, weil es versucht, eben alle Wünsche aus Brüssel zu berücksichtigen.

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    Auch bei den Fragen „Was ist für Sie nachhaltig?“ und „Wie grün soll Ihr Finanzprodukt sein?“ müsste der Anleger schon sehr konkrete Vorstellungen und Antworten mitbringen.

    Falls nicht, wird es noch komplizierter: Der Berater muss dann eher bürokratisch definierte Konzepte mit dem Kunden durchforsten, etwa die EU-Taxonomie zur Frage, was in Sachen Klimaschutz als nachhaltig gilt, oder die Kriterien für die EU-Verordnung zu der Frage, wie Fondsanbieter ihre Produkte zu allen drei ESG-Zielen einsortieren müssen.

    Ob das aber das ohnehin oft noch schwache Interesse der Privatanleger an dem Thema erhöht, ist fraglich. Wenn dann die Beratungsstunde noch ergibt, dass für bestimmte dieser gewünschten grünen Welten bisher gar keine geeigneten Produkte existieren, ist das Thema ganz unten durch.

    Erste Erfahrungen aus Sparkassen zeigen, dass die neuen Regeln der Sache nicht wirklich dienen. Nach der Greenwashing-Debatte, der Diskussion über den richtigen Ausweis von Nachhaltigkeitsfonds, wäre ein leichter nachvollziehbarer Zugang zum Thema hilfreich – auch im Sinne der bereits erschütterten Glaubwürdigkeit.

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