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18.09.2019

04:22

Kommentar

Grundschulen müssen endlich wieder gestärkt werden

Von: Barbara Gillmann

Gemessen am BIP gibt Deutschland weniger für Bildung aus als andere Industrieländer. Besonders wenig für Grundschulen – und das, obwohl dort die Weichen gestellt werden.

Grundschullehrer stehen in der Gehaltspyramide der Lehrerschaft vielfach noch immer am untersten Rand. dpa

Kinder mit Schulranzen

Grundschullehrer stehen in der Gehaltspyramide der Lehrerschaft vielfach noch immer am untersten Rand.

Die Grundschule ist 100 Jahre alt. Sie ist der einzige Ort, an dem Kinder aller Schichten zusammentreffen. Das ist ein großer Wert für die Demokratie. Schulisch gesehen, liegt jedoch vieles im Argen. Im internationalen Vergleich haben sich die Leistungen der Viertklässler seit anderthalb Jahrzehnten nicht verbessert. Andere Nationen haben aufgeholt und überholt. Und so ist Deutschland von der Spitze der Tabelle der Iglu-Tests auf Platz 21 gerutscht.

Das kommt nicht von ungefähr: Soeben erst hat die OECD wieder einmal bemängelt, dass Deutschland, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, weniger für Bildung ausgibt als andere Industrieländer. Und besonders wenig investieren wir in die Grundschüler, obwohl es sich hier am meisten lohnen würde, weil hier die wichtigen Grundlagen gelegt werden.

Stattdessen wird der gravierende Lehrermangel dort hingenommen. Auch das hängt mit Geld zusammen: Grundschullehrer stehen in der Gehaltspyramide der Lehrerschaft vielfach noch immer am untersten Rand. Das dämpft das Interesse und führt zu dem Mangel an Lehrkräften, während es an Gymnasiallehrern derzeit eher zu viele gibt. Zudem bieten diverse Bundesländer nicht genügend Studienplätze für Grundschullehrer an.

Das ist umso dramatischer, als in den ersten Schuljahren die Weichen gestellt werden, die zu noch immer gut sechs Millionen Analphabeten im Land führen. Die Sprachförderung der Vorschulkinder ist defizitär, in der Schule wird nur halb so viel gelesen wie im internationalen Schnitt. Und schwächere Schüler werden zu wenig unterstützt. Später, nach der Grundschule, gibt es kaum Chancen, Versäumtes aufzuholen – denn dafür sind Lehrer weiterführender Schulen nicht ausgebildet.

Der Streit darüber, ob die Grundschule vier oder sechs Jahre dauern soll, hilft bei diesen Problemen nicht weiter. Statt damit Energie zu vertun, sind alle Beteiligten aufgerufen, „die Schule der Demokratie“ endlich wieder zu stärken.

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