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28.06.2022

16:08

Kommentar

Hilfskräfte aus der Türkei werden das Flughafen-Chaos nicht lösen

Von: Agatha Kremplewski

Die Regierung hat beim Personalmangel an den Flughäfen lange weggesehen. Nun sollen türkische Leiharbeiter eingeflogen werden. Das ist zu kurz gedacht.

Wirklich helfen würde es nur, neue Anreize zu schaffen und Fachkräften dauerhaft erträgliche Arbeitsbedingungen zu bieten. dpa

Düsseldorfer Flughafen

Wirklich helfen würde es nur, neue Anreize zu schaffen und Fachkräften dauerhaft erträgliche Arbeitsbedingungen zu bieten.

Wenn’s brennt, ruft man die Feuerwehr. Wenn der Koffer fehlt, mittlerweile offenbar auch. Diese Maßnahme zumindest hat der Düsseldorfer Flughafen vergangenes Wochenende ergriffen: Wegen Personalmangel mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr einspringen und Reisenden ihr Gepäck aushändigen. Ein Szenario, das zeigt, welche Ausmaße der Personalmangel mittlerweile angenommen hat.

Spätestens seit Ferienbeginn in NRW sind die Schlangen an den Schaltern lang, die Nerven der Urlauber zum Zerreißen gespannt. Es mangelt an Sicherheitskräften und Personal zur Gepäckabfertigung, gleichzeitig wurden zahlreiche Flüge gestrichen.

Die Regierung hat sich das Flughafen-Chaos lang genug angesehen und greift zur vermeintlich naheliegenden Lösung: Personal aus dem Ausland einfliegen. 2000 Leiharbeiter aus der Türkei sollen in Deutschland nun aushelfen.

Was die Politik offenbar nicht wahrhaben will: Selbst wenn bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt und Fachkräfte im Turbogang für hiesige Flughäfen ausgebildet werden, der Prozess wird Monate dauern, den Sommerurlaubern wird nicht mehr zu helfen sein.

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    Was geschieht außerdem mit den ausländischen Fachkräften, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beteuerte zwar, jede Form der Ausbeutung von Hilfskräften sollte vermieden werden. Ist es aber nicht Ausbeutung per se, wenn die Regierung marode Strukturen gewissenhaft übersieht – und dann versucht, Lücken mithilfe kurzfristig angeworbener Kräfte aus wirtschaftlich schwächeren Ländern zu füllen?

    Wirklich helfen würde es nur, neue Anreize zu schaffen und Fachkräften dauerhaft erträgliche Arbeitsbedingungen zu bieten. So ließe sich das Abwandern Tausender Arbeitnehmer aus einer systemrelevanten Branche langfristig vermeiden.

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