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09.10.2019

16:39

Kommentar

Im Fall Alitalia hat Italiens Politik versagt

Von: Regina Krieger

Die Chancen auf eine Sanierung der maroden Airline sind minimal. Denn zum Geldmangel kommt ein politisches Problem für die Regierung in Rom.

Der Termin für den Verkauf wird vertagt, mittlerweile schon zum sechsten Mal. AFP

Alitalia-Flugzeuge in Rom

Der Termin für den Verkauf wird vertagt, mittlerweile schon zum sechsten Mal.

Alitalia geht das Geld aus. Der großzügige Überbrückungskredit der Regierung nach der Pleite vor zwei Jahren ist fast aufgebraucht, schon Weihnachten soll die Kasse leer sein. Aber statt einer mutigen Entscheidung der Verantwortlichen über den Fortbestand oder die Abwicklung der Fluggesellschaft läuft in Rom ein wohl bekannter Film in der Endlosschleife: Der Termin für den Verkauf wird vertagt, mittlerweile schon zum sechsten Mal.

Die Regierung, die drei Kommissare zur Verwaltung der Alitalia entsandt hat, zögert. Ein Krisengipfel folgt auf den nächsten, und derweil streiken die Piloten und das Bordpersonal, die um ihre Jobs fürchten.

Es wird wieder aufgeschoben statt gehandelt – wie so oft in Italiens Industriepolitik: Es wird auf einen neuen Kredit der Regierung hinauslaufen, damit die Gehälter gezahlt werden und der Flugbetrieb weiterläuft, egal, was die EU-Kommission zu dieser Staatshilfe sagt und wie sehr die öffentlichen Kassen belastet werden. Dabei sind schon jetzt die Zinsen so hoch, dass das Geld wohl nie zurückgezahlt wird.

Selten einmütig geben die Luftfahrtexperten in Italien einer Sanierung der Alitalia kaum noch eine Chance. Denn zum Geldmangel kommt ein viel komplizierteres Problem hinzu, das die Familie Benetton und die italienische Regierung betrifft.

Die Benetton-Holding Atlantia ist im geplanten neuen Alitalia-Konsortium (wenn es denn zustande kommt) der größte private Partner neben der Eisenbahn FS, dem Finanzministerium und Delta Airlines aus den USA.

Atlantia gehört aber auch der Autobahnbetreiber Autostrade per l‘Italia – und damit auch das Autobahnstück in Genua, wo vor einem Jahr die Brücke einstürzte. Seitdem will die Regierung, die einen Schuldigen suchte, Atlantia die Konzession nicht verlängern. Geklärt sind die Umstände des Unglücks bis heute nicht. In Rom wurde zwar inzwischen die Populistenkoalition abgelöst, aber das Problem besteht weiter.

Ein Schachzug von Atlantia bringt nun die Alitalia-Sanierung in Gefahr: Wenn man keine Gewissheit über die Konzession für Autostrade bekomme, steige man aus dem Alitalia-Konsortium aus, hat Atlantia dem neuen Industrieminister geschrieben und auch den Sanierungsplan als zu kurzsichtig kritisiert.

Das nennt man Erpressung, es darf aber nicht so heißen. Die Regierung spricht von einer schwierigen Situation. Sie wackelt seit dem Start im September, und die Affäre Atlantia kann schnell zu einer Krise innerhalb der Koalition und zu Neuwahlen führen. Die Familie Benetton sitzt eindeutig am längeren Hebel, denn ohne sie platzt der Deal und rückt das endgültige Aus näher. Verfahrener könnte die Lage nicht sein.

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