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08.11.2021

17:34

Kommentar

Inflation in Europa: Es braucht eine Ansage für einen Plan B

Von: Moritz Koch

Die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission wollen keine Panik schüren, doch ihre Beschwichtigungsversuche helfen nicht. Die EU-Bürger verlieren das Vertrauen.

Vertrauenskrise durch Preissteigerungen. imago images/ZUMA Press

EU-Kommission in Brüssel

Vertrauenskrise durch Preissteigerungen.

Die Preise in Europa steigen und steigen, die Nervosität der Bürger nimmt zu. Auch bei der Tagung, zu der sich die EU-Wirtschafts- und -Finanzminister derzeit in Brüssel zusammengefunden haben, steht die Inflation im Mittelpunkt der Gespräche. Doch an der Kommunikation der europäischen Institutionen hat sich bisher nur wenig geändert.

Kein Grund zur Sorge, der Inflationsschub ist nicht von Dauer, so heißt es aus Frankfurt und Brüssel schon seit Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission wollen keine Panik schüren. Aber sie beschwichtigen auf eine Weise, die Vertrauen kostet.

4,1 Prozent betrug die Inflationsrate in Europa zuletzt. Das ist mehr, als viele Experten erwartet hatten, und erfordert eine politische Reaktion, kein Weiter-so.

Dass es kein besonders erfolgversprechendes Rezept ist, den Bürgern einreden zu wollen, ihre Ängste seien vornehmlich ein Produkt der Einbildung, haben jüngst die Demokraten in den USA erfahren. Bei den Wahlen in wichtigen Bundesstaaten kassierten sie eine herbe Niederlage, obwohl die oppositionellen Republikaner außer Parolen wenig zu bieten haben.

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    Für Europa ist das eine Warnung, vor allem für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der im April zur Wiederwahl steht.

    Furcht vor schleichender Enteignung

    Es ist kein Zufall, dass sich die Regierung in Paris besonders kreativ dabei zeigt, den Preisdruck abzumildern. Geringverdiener sollen ein Ausgleichsgeld von 100 Euro erhalten.

    Macron weiß: Es gibt kaum ein ökonomisches Thema, das für populistische Stimmenfänger so gut geeignet ist wie die Furcht vor der schleichenden Enteignung durch steigende Preise.

    Wie schnell die ökonomische Debatte in hässliche Stimmungsmache umschlägt, zeigt auch die Boulevard-Kampagne gegen EZB-Chefin Christine Lagarde in Deutschland.

    Noch immer spricht vieles dafür, dass der Preisdruck im kommenden Jahr nachlässt, wenn die pandemiebedingten Produktionsengpässe überwunden sind. Doch geldpolitische Belehrungsversuche durch die Technokraten in EZB und Kommission sind eine ungeschickte Antwort auf die wachsenden Sorgen der Bürger.

    Beruhigender wäre die Ansage, dass die Gefahr erkannt ist und ein Plan B bereitsteht.

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