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29.11.2022

17:23

Kommentar

Inflation wird in langfristiger Perspektive vielleicht sogar überschätzt

Von: Frank Wiebe

2023 wird das Jahr der Wende bei der Preisentwicklung. Die entscheidende Frage wird sein, wie stark die Konjunktur sich abschwächt.

Kleiner Lichtblick für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland: Erstmals seit Juli hat sich die Inflation wieder etwas abgeschwächt. obs

Supermarkt

Kleiner Lichtblick für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland: Erstmals seit Juli hat sich die Inflation wieder etwas abgeschwächt.

Ein leichter Rückgang der deutschen Inflation auf 10,0 Prozent gibt ein wenig Hoffnung. Trotzdem gilt: 2022 ist das Jahr der Inflation.

2023 aber wird das Jahr des Umbruchs: Nach allem, was absehbar ist, werden wir dann eine Rezession sehen, aber auch ein spürbares Abklingen der Preisdynamik und eine zumindest wieder vorsichtigere Geldpolitik.

Die Risiken jedenfalls bleiben hoch. Und die größte Gefahr – nicht nur für die Märkte – geht nach wir vor vom Ukrainekrieg aus. Ist für 2023 ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzung absehbar? Oder gibt es auf lange Sicht kein Ende? Kommt es gar zu einer Katastrophe? Jede Prognose muss vage bleiben.

Vielleicht ist die Lage im kommenden Frühjahr etwas klarer. Seit einiger Zeit ist häufig folgendes Szenario zu hören und zu lesen: Die Inflation bleibt länger auf einem höheren Niveau, getrieben vor allem vom Umbau der Wirtschaft auf klimafreundliche Energie, von teureren Lieferketten und von einer Demografie, die zu einem Fachkräftemangel führt. Zum Teil gab es diese Überlegungen schon vor dem jüngsten Inflationsschub, sie fanden da aber weniger Beachtung.

Unumstritten ist dieses Szenario nicht. Beim Thema Demografie genügt der Blick auf Japan um zu erkennen, dass eine immer älter werdende Gesellschaft mit sinkenden Inflationsraten einhergehen kann.

Aber leider auch mit geringen Wachstumsraten. Und bei den erneuerbaren Energien darf nicht übersehen werden, dass dort die Grenzkosten der Produktion häufig sehr niedrig sind. Der Umbau könnte also sogar zu deutlicher Entlastung führen.

Die Inflation wurde vor Ausbruch der heutigen Krisen lange Zeit überschätzt, dann unterschätzt – und jetzt wird sie in langfristiger Perspektive vielleicht wieder überschätzt.

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