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19.07.2022

20:21

Kommentar

Investmentbanking wird immer mehr zum Blasenindikator

Von: Michael Maisch

Von der Euphorie des Vorjahres ist in der Branche nichts mehr übrig. Die Investmentbanken scheinen kein Mittelmaß zu kennen – nur Überschwang und Krise.

Die US-Investmentbank leidet unter der Furcht vor einer Wirtschaftskrise. Im zweiten Quartal hat sich der Gewinn fast halbiert. AP

Das Logo von Goldman Sachs an der New Yorker Börse

Die US-Investmentbank leidet unter der Furcht vor einer Wirtschaftskrise. Im zweiten Quartal hat sich der Gewinn fast halbiert.

Ein einziges Wort reicht einem prominenten Frankfurter Investmentbanker, um die Lage in seinem Geschäft zu beschreiben: „Katastrophe“. Ein Blick auf die Zahlen von Branchenprimus Goldman Sachs genügt, um zu beweisen, dass der Mann recht hat.

Obwohl die Händler des Geldhauses dank der heftigen Kursausschläge an den Märkten noch immer gutes Geld verdienten, brach der Gewinn des Wall-Street-Hauses im zweiten Quartal um knapp die Hälfte ein. Dafür war vor allem die Flaute im Beratungsgeschäft verantwortlich, also der Einbruch bei Aktienplatzierungen und der Betreuung von Übernahmen und Fusionen. Ein toxischer Mix aus Inflation, Rezessionsangst und geopolitischen Krisen hat die Unternehmen verschreckt und den Bankern das Geschäft verdorben.

Dabei war die Euphorie in der Branche so groß. Im vergangenen Jahr suchten die Banken noch verzweifelt nach jungen Talenten, um die Flut an Aufträgen zu bewältigen, und erfahrene Banker durften sich über Rekordboni freuen.

Davon ist nicht mehr viel übrig. Inzwischen wird in den Chefetagen der großen Investmentbanken nicht mehr nur über empfindliche Prämienkürzungen diskutiert, sondern auch über Entlassungen.

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    Es ist nicht das erste Mal, dass in der Branche auf den Rausch ein böser Kater folgt. Manches erinnert an die Bonanza vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 und den Absturz danach.

    >> Lesen Sie hier: Gewinne von Goldman Sachs und Bank of America brechen ein

    So schlimm wie damals ist die Situation zwar nicht, und dieses Mal sind die Banken Opfer makroökonomischer Schocks und nicht Täter, außerdem sind sie sehr viel besser für die Krise gerüstet. Aber der berüchtigte Spruch des damaligen Citigroup-Chefs Chuck Prince „solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen“ aus dem Jahr 2007 scheint noch immer zu gelten.

    Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass gesundes Mittelmaß und Investmentbanking noch immer nicht zusammenpassen, trotz aller Reformen nach der Finanzkrise was Sicherheitspuffer, Interessenkonflikte und Bonuskultur angeht. So richtig gut scheint es Banken und Bankern nur im Überschwang zu gehen.

    Das hätte für alle anderen Investoren zumindest einen Vorteil: Sie könnten die Investmentbanken als Frühindikatoren für die nächste Krise nutzen. Je euphorischer (oder je überarbeiteter) die Banker in den Büros von Goldman Sachs und Co. sind, desto größer die Gefahr, dass sich gerade eine spekulative Blase aufbläht.

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