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03.04.2019

04:00

Kommentar

Investoren müssen sich auf Rückschläge einstellen

Von: Andrea Cünnen

Mit dem ersten Quartal an den Börsen konnten Anleger weltweit zufrieden sein. Doch statt eines weiteren Anstiegs ist nun ein Abschwung zu erwarten.

Investoren müssen sich auf Schwankungen einstellen. dpa

Börse in Frankfurt

Investoren müssen sich auf Schwankungen einstellen.

Wenn es nach den Anlegern ginge, könnte das Jahr so weitergehen, wie es begonnen hat. Mit einem Anstieg von über 13 Prozent hat der US-Leitindex S&P 500 das beste erste Quartal seit mehr als 20 Jahren hingelegt. Auch der Jahresauftakt beim Dax mit gut neun Prozent plus kann sich sehen lassen.

Doch die Börsenrally wird sich wohl nicht so fortsetzen. Im Gegenteil: Den Investoren drohen Rückschläge, und sie müssen sich auf größere Schwankungen einstellen.

Hauptgrund dafür ist, dass den Börsen der Nährboden für weitere deutliche Kursgewinne fehlt. So übertrieben der Einbruch an den Aktienmärkten im vierten Quartal des vergangenen Jahres war, so übertrieben wäre jetzt ein weiterer deutlicher Anstieg. Eine Rezession in den USA, wie Anleger sie noch Ende 2018 fürchteten, steht zwar in diesem Jahr noch nicht an.

Dagegen sprechen unter anderem der nach wie vor robuste US-Arbeitsmarkt, die noch immer starken Werte der Einkaufsmanagerindizes in den USA und die noch recht zuversichtlichen US-Verbraucher. Dennoch ist klar, dass die Wirtschaft weniger stark wachsen wird als letztes Jahr – und das nicht nur in den USA, sondern gerade auch in Europa und Deutschland.

Ökonomen haben ihre Konjunkturprognosen in den vergangenen Wochen deutlich gesenkt, und die Analysten der Banken nehmen die Gewinnschätzungen für Unternehmen schon seit Monaten deutlich zurück. Für die Unternehmen im Dax sind die Schätzungen zum Teil sogar negativ, das heißt, dass die Konzerne weniger verdienen dürften als im vergangenen Jahr. Das passt nicht zu weiter steigenden Aktienmärkten.

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Für 2019 rechnen viele Wirtschaftsverbände mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur – und einer Stagnation der Industrieproduktion.

Haupttreiber der Kursentwicklung waren bislang auch weniger die Perspektiven der Unternehmen, sondern – wieder einmal – die Notenbanken. In den Vereinigten Staaten haben die Währungshüter Zinserhöhungen in diesem Jahr implizit ausgeschlossen, die Europäische Zentralbank hat das sogar explizit klargemacht. Stattdessen spekulieren viele Investoren jetzt sogar schon auf Zinssenkungen.

Steigende Kurse bei fallenden Gewinnerwartungen haben dazu geführt, dass Unternehmen an der Börse höher bewertet, sprich gemessen an ihren erwarteten Profiten teurer werden. Spielraum für noch höhere Bewertungen gibt es angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten gerade in Europa kaum.

Das gilt auch deshalb, weil die Märkte Risiken wie einen ungeordneten Brexit oder den Handelsstreit zwischen den USA und China inzwischen mehr oder weniger ausblenden. Diese Risiken bleiben zwar Gesprächsthema an den Märkten, doch in den Bewertungen schlägt sich dies nicht nieder – und genau das ist gefährlich.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

03.04.2019, 18:05 Uhr

Sehr geehrte Frau Cünnen,

Sie kennen doch sicher auch das Thema, was war zuerst? Die Henne oder das Ei?

Sie selbst beginnen mit der Eintrübung der Konjunktur und den verdüsterten Konkunkturperspektiven. Müssen sich deshalb aber fragen lassen, ob diese Entwicklungen wie Manna vom Himmel gefallen sind. Oder müssen Sie in der Kausalkette noch ein Glied zurückgehen? Sich einmal fragen, was die Eintrübung der Konjunktur hervorgerufen hat.

Die Antwort ist allseits bekannt. Der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt und die ehemalige Furcht vor einem Anstieg der Zinsen haben Verbraucher und Investoren verunsichert und dazu geführt, dass diese ihre Kaufentscheidungen verschieben.

Von den beiden Angstmachern ist mittlerweile der Anstieg der Zinsen kein Thema mehr. Und allem Anschein nach stehen nun auch die beiden wirtschaftlichen Großmächte kurz vor einer Einigung. Und für die Zeit danach fallen mir keine Faktoren mehr ein, die die amerikanische Konjunktur weiterhin bremsen könnten. Oder hören Sie irgendwelche Klagen? Sind vielleicht die Löhne oder Steuern zu hoch? Oder der Ölpreis? Oder der Dollar. Ich gehe immer davon aus, wenn keiner jammert, geht es allen gut.

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