Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2019

18:48

Kommentar

Johnson & Johnson muss für gesellschaftliche Kosten aufkommen

Von: Katharina Kort

In den USA wird Big Pharma durch ein Gerichtsurteil zur Verantwortung gezogen. Das ist ein wichtiges Zeichen in der Opioid-Krise.

Der Pharmakonzern wurde vor Gericht verurteilt. imago images / sepp spiegl

Johnson & Johnson

Der Pharmakonzern wurde vor Gericht verurteilt.

Das jüngste Urteil gegen Johnson & Johnson ist erst der Anfang. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar soll der Konzern in Oklahoma dafür zahlen, dass er süchtig machende Schmerzmittel verharmlost und damit die Opioid-Epidemie mit verursacht hat. Weitere Urteile werden folgen.

Es ist gerade einmal eine Woche her, dass die CEOs der größten US-Unternehmen erklärt haben, Unternehmen sollten nicht mehr in erster Linie ihren Aktionären und damit dem Profit verpflichtet sein, sondern auch anderen Stakeholdern sowie der Gesellschaft. Auch Johnson & Johnsons CEO war einer der Unterzeichner.

Gerade in der Opioid-Krise haben die Unternehmenslenker nun Gelegenheit zu beweisen, dass sie es ernst meinen mit ihren schönen Worten. Wie sich vor allem die Pharmaunternehmen bei Opioiden verhalten haben, war dagegen Profitgier in Reinstform: Wider besseres Wissen wurden Medikamente in den Markt gedrückt und von den Ärzten auch verschrieben, die innerhalb kürzester Zeit süchtig machen.

Die Menschen sind oft später auf Schwarzmarktrezepte umgestiegen oder direkt auf Heroin. Der Schaden für die Gesellschaft ist enorm. Allein im vergangenen Jahr sind 68.000 Menschen an Überdosis gestorben. Die Epidemie hat Familien zerrissen und Gemeinden zerstört.

Da ist es richtig, die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, für gesellschaftlichen Kosten aufzukommen, die sie mit verursacht haben. Sonst droht die perverse Entwicklung, dass die Pharmaunternehmen erneut an der Sucht verdienen, die sie ausgelöst haben.

Etwa durch Medikamente gegen Überdosis oder Präparate für den Entzug: In der Praxis hieße das, eine Droge gegen die andere auszutauschen. Das mag in einigen Fällen durchaus sinnvoll sein, wie die Methadon-Programme zeigen. Aber dafür sollten dann die Verursacher zahlen und nicht wieder die Gesellschaft. Das „Mitgefühl“, das Johnson & Johnson kommuniziert, heilt keine Sucht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×