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12.06.2018

04:47 Uhr

Kommentar

Kim durchbricht die Isolation seines Landes

VonMartin Kölling

Schon bevor die Ergebnisse des historischen Gipfeltreffens feststehen, hat Nordkoreas Machthaber große Erfolge erzielt.

Nordkoreas Machthaber präsentiert sich als offener, moderner Führer, der sich auf Augenhöhe mit Weltgrößen trifft. AFP

Kim Jong Un

Nordkoreas Machthaber präsentiert sich als offener, moderner Führer, der sich auf Augenhöhe mit Weltgrößen trifft.

SingapurSie schüttelten sich die Hände, tauschten Höflichkeiten aus. Am Ende hob US-Präsident Donald Trump seinen Daumen in die Höhe. Sein Gesprächspartner Kim Jong Un hatte die erste Hürde auf dem historischen Treffen gemeistert.

Beim ersten Gipfel zwischen einem US-Präsidenten und einem nordkoreanischen Führer wurde der Diktator nicht mit Kühle bestraft. Trump behandelte ihn freundlich und sagte: „Wir werden eine großartige Beziehung haben. Da habe ich keinen Zweifel.“

Schon bevor die Ergebnisse des Gipfels klar sind, hat Kim damit mehrere große Erfolge erzielt. Daheim präsentiert er sich seinem Volk als offener, moderner Führer, der sich auf Augenhöhe mit Weltgrößen trifft.

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Die Staatsmedien veröffentlichten am Dienstagmorgen sogar Bilder von Kims nächtlichem Ausflug in Singapur. Und im Ausland verwandelt er sein Image vom zurückgezogenen, vermeintlich verrückten Führer in einen ernsthaften Repräsentanten seines Landes.

Doch wichtiger noch sind seine außenpolitischen Erfolge. Zuerst hat er Nordkoreas Pariastatus abgestreift und die Isolation des Landes durchbrochen, ohne die Forderungen der internationalen Staatengemeinschaft erfüllt zu haben. Kim hat zwar als Geste guten Willens die Tests von Atomwaffen und Langstreckenraketen vorerst gestoppt. Auch das Atomtestgelände wurde fotogen gesprengt. Aber die Atomwaffen stehen immer noch zum Abschuss bereit.

Dennoch ist er diplomatisch der Mann des Jahres, um den sich die Staats- und Regierungschefs der Welt reißen. Nach Trump, Chinas Staatschef Xi Jinping, Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Syriens Präsident Bashar Assad wollen sich auch Russlands Präsident Wladimir Putin und Japans Regierungschef Shinzo Abe mit ihm treffen. Was noch fehlt, ist eine Einladung der UN.

Außerdem hat er Trumps wichtigstes Druckmittel dauerhaft geschwächt: die Wirtschaftssanktionen. China lockert die Grenzkontrollen bereits. Nordkoreanische Waren tauchen schon jetzt wieder auf chinesischen Märkten auf. Schiffe tauschen auf hoher See wieder Öl aus. Auch Südkorea scheint fest entschlossen zu sein, erneut wirtschaftliche Kontakte mit dem Norden aufzunehmen.

Mehr noch: Auch wenn der Gipfel wider Erwarten doch noch scheitern sollte, dürften China und Korea die Annäherung fortsetzen wollen. Selbst wenn er wollte, Trump dürfte es daher extrem schwer fallen, wieder den gleichen Druck wie 2017 aufzubauen.

Die offene Frage ist noch, ob der Gipfel auch für Trump annähernd so erfolgreich wird wie für Kim. Noch ist nicht klar, welche Zugeständnisse Kim dem US-Präsidenten präsentiert hat. In ein paar Stunden kann dann ein Fazit gezogen werden.

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