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07.05.2019

16:43

Kommentar

Kluft zwischen Arm und Reich: Umverteilung darf kein Tabu mehr sein

Von: Donata Riedel

Die Ungleichheit der Haushalts-Nettoeinkommen hat auch in Deutschland deutlich zugenommen. Die Große Koalition muss handeln – zum Beispiel bei den Mieten in Städten.

Die unteren 20 Prozent sind zunehmend abgehängt, die oberen zehn Prozent heben ab. dpa

Kluft zwischen Arm und Reich

Die unteren 20 Prozent sind zunehmend abgehängt, die oberen zehn Prozent heben ab.

BerlinDeutschland ist nicht China, nicht die USA und auch nicht Mexiko. In den genannten Ländern ist die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich tiefer als in West- und Nordeuropa, jenen Demokratien, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs stets auf sozialen Ausgleich bedacht waren.

In den Jahren seit der Jahrtausendwende jedoch hat die Ungleichheit der Haushalts-Nettoeinkommen deutlich zugenommen.

Vom wachsenden Wohlstand profitieren nicht mehr alle gleichermaßen, wie der umfangreiche Vergleich zeigt, den das DIW jährlich auf Basis vielfältiger Daten deutscher Privathaushalte vornimmt: 1999 waren die Nettoeinkommen der ärmsten zehn Prozent der Haushalte um sechs Prozent gegenüber 1991 gestiegen, die der reichsten zehn Prozent um zehn Prozent.

2016 ist aus dem kleinen Abstand eine tiefe Kluft geworden: Die ärmsten Haushalte verfügen real über acht Prozent weniger Nettoeinkommen als 1991, die reichsten dagegen über 35 Prozent mehr. Seit der Finanzkrise hat sich das Auseinanderdriften der Reichsten und der Ärmsten noch beschleunigt.

Auffällig an den Kurven ist, dass die Ungleichheit vor allem an den unteren und oberen Rändern der Gesellschaft wächst: Die unteren 20 Prozent sind zunehmend abgehängt, die oberen zehn Prozent heben ab, während in den Mittelschichten dazwischen sich die Schere nur leicht geöffnet hat.

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Die Große Koalition muss die auseinanderstrebenden Einkommenskurven dringend stärker in den Blick nehmen. Umverteilung von ganz oben Richtung breite Mitte und Absicherung der ärmsten Haushalte dürfen kein Tabu mehr sein.

Und weil über die Mieten gerade die umgekehrte Umverteilung stattfindet – von einkommensarmen Mietern zu einkommensstarken Vermietern –, wären in den Städten Mietendeckel wohl das am schnellsten wirkende Mittel. Ebenso liegt im Niedriglohnsektor einiges im Argen: Die Gültigkeit des Mindestlohns für alle ist das Mindeste, was die Politik jetzt durchsetzen muss.

Kommentare (4)

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Frau Marianne Schad

07.05.2019, 18:26 Uhr

Frau Riedel, kennen Sie die Steuerquote, ca. 10% bezahlen 55% der Steuern, die Umveteilung findet statt! Wohnungsmangel, wenn man in den letzten Jahren mehr als 3 Mio. Menschen aufgenommen hat und die leben nicht mehr in Jugendherbergen oder Zelten, sondern in Wohnungen, besonders gerne in Großstädten, da ist man unter sich. Und die Stadt zahlt die Miete, nicht wie jeder von uns von seinem Gehalt. Und wenn Millionen Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten hat das auch seinen Grund, Ausbildung würde helfen. Wenn ich Meinungen wie die Ihre lesen will, brauche ich das Handelsblatt nicht zu abonnietüren, da reichen die ÖR.

Herr Alexander Joch

07.05.2019, 19:25 Uhr

Die Vorkommentatorin schreibt mir aus der Seele! Ich lese das Handelsblatt, weil ich es für eines der letzten Presseerzeugnisse Deutschlands halte, bei dem die Marktwirtschaft unumstritten ist und ich kein links-rot-grünes Wünsch-Dir-Was lesen muss! Ihr Kommentar, Frau Riedel, lässt mich an diesem Glauben sehr zweifeln. Mietendeckel? Wo soll das denn enden? Gibt es dann auch auch einen Handwerkerdeckel für Baupreise? Merken Sie eigentlich, wie irre Sie argumentieren? Und das in einem Land, in dem die Mieterschutzgesetze strenger sind, als in fast allen anderen Ländern der Welt. Und wenn Sie sich etwas außerhalb der Stadtzentren umschauen, dann ist da auch sehr wohl genug preiswerter Wohnraum zu bekommen, nur, dass da weniger Leute hinziehen möchten. Und was begehrt ist, wird nun einmal teurer. Das sind die Marktgesetze, die man mit keinem Gesetz der Welt aushebeln kann. So viel Sachverstand hätte ich eigentlich mindestens im Handelsblatt erwartet. Schade, Sie verlieren mich damit als Abonnenten...

Herr Helmut Metz

07.05.2019, 19:45 Uhr

Hier fehlt schlicht und ergreifend das Basisverständnis für ökonomische Zusammenhänge.
Setzt der Staat "Höchstpreise" fest (oder wie bei den Mieten eine "Mietpreisbremse"), dann bestand zuvor ein NACHFRAGEÜBERHANG und ein ANGEBOTSMANGEL.
Der Staat beginnt nun jedoch eine KONTRAPRODUKTIVE INTERVENTIONSSPIRALE:
"Nach einem Ernteausfall wird Getreide knapp, das bedeutet, vielen Nachfragern stehen wenige Anbieter gegenüber. Wenn diese Anbieter auch Fremden Getreide verkaufen und nicht bloß alles mit Familie und Freunden teilen, stellen sie fest, dass sie sehr viele Angebote bekommen. Sie wählen die für sie besten, was dazu führt, dass die beobachteten Marktpreise für Getreide rasch in die Höhe schnellen. Jene, die zu kurz gekommen sind, werden bald zu NEIDERN. Dumme oder bösartige Politiker könnten sich dazu verleiten lassen, hier zu intervenieren. Sie setzen also Höchstpreise für Getreide fest - vorgeblich, um auch den Armen den Bezug zu ermöglichen. Doch diese gesetzliche Maßnahme kann natürlich die zugrunde liegende Knappheit nicht aus der Welt schaffen. Per Erlass wächst kein Korn. Die Folge ist gegenteilig: Verfügbares Getreide verschwindet vom Markt. Die Knappheit wird noch größer. Zusätzlich werden die Anreize verringert, für zukünftige Ernteausfälle Getreide aufzuheben.
Diese Erfahrung war im Nachkriegsdeutschland überdeutlich. Die alliierten Besatzer hatten Preisfixierungen durchgesetzt, die den Mangel nach dem Krieg fortdauern ließen. Ein damals junger deutscher Ökonom (...) setzte sich gegen die Amerikaner durch und ließ alle Preisfixierungen abschaffen. Sein Name: LUDWIG ERHARD." (Rahim Taghizadegan: Wirtschaft wirklich verstehen, München: FinanzBuch Verlag, 2011, S. 81)

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