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17.07.2022

12:55

Kommentar

Konzerne können in der Krise viel von Familienunternehmen lernen

Von: Florian Kolf

Wenn die Zeiten härter werden, zeigt sich, welches Unternehmen vorgesorgt hat. Von angestellten Managern verlangt es Mut, aus dem Quartalsdenken auszubrechen.

Hornbach, Familienunternehmen Hornbach

Familienunternehmen Hornbach

In der Coronakrise haben viele Familienunternehmen hohe Widerstandsfähigkeit gezeigt.

Wie oft wurden Familienunternehmen belächelt. Zu konservativ, zu vorsichtig, zu träge, zu wenig optimiert. Als Vorbilder galten häufig Unternehmen, die mit schlanken Strukturen hohe Gewinne erzielen.

Doch die Folgen der weltweiten Pandemie haben das Bild verändert. Jetzt zeigt sich: Gerade die familiengeführten Unternehmen können Krise. Studien belegen, dass ihre Performance im Schnitt deutlich besser ist und dass sie sich nach Einbrüchen in ihrer Branche meist viel schneller erholen.

Ein wichtiger Faktor: Da die Eigentümer nicht nur ihr Kapital im Unternehmen haben, sondern sich persönlich verantwortlich fühlen, greifen sie häufig schnell ein, wenn sich schwierige Zeiten abzeichnen und nutzen die kurzen Entscheidungswege, um das Unternehmen rasch an die neue Situation anzupassen.

Doch genau darin liegt auch die gute Nachricht für alle anderen Unternehmen. Sie können sich einiges von den Familienunternehmen abschauen – und sie sollten es auch.

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    Denn in den immer unsicherer werdenden Zeiten muss Widerstandsfähigkeit gegen Krisen eine der Topprioritäten des Managements werden.

    Langfristiges Denken muss belohnt werden

    Am stärksten zeigt sich das in den Lieferketten. Da haben viele Konzerne ihre Lieferanten gegeneinander ausgespielt, die Konditionen heruntergehandelt und die Zahl der Zulieferer immer weiter reduziert. Der Bilanz hat das kurzfristig geholfen, doch in der Krise waren sie meist die Ersten, deren Lieferkette gerissen ist. Denn eine bevorzugte Behandlung konnten sie von ihren geknebelten Lieferanten nicht erwarten. Und wenn einer komplett ausfiel, fehlte häufig die Alternative.

    Familienunternehmen dagegen pflegen oft sehr partnerschaftliche und langjährige Beziehungen zu ihren Geschäftspartnern und helfen ihnen auch schon mal durch schwierige Zeiten. Das bekommen sie in der aktuellen Lieferkrise oft zurückgezahlt.

    Diese langfristige Ausrichtung der Familienunternehmen zeigt sich auch in anderen Bereichen. So haben sie im Schnitt eine höhere Eigenkapitalausstattung, die sie in mageren Zeiten länger durchhalten lässt. Ebenso erleichtert ihnen das den Zugang zu überlebenswichtiger Liquidität.

    Doch es gibt kein Naturgesetz, wonach langfristiges Denken und partnerschaftliches Verhalten nur in familiengeführten Unternehmen möglich sind. Von angestellten Managern verlangt es Mut, aus dem Quartalsdenken und der Fixierung auf kurzfristige Erfolge auszubrechen.

    Dafür braucht es eine Unternehmenskultur und Anreizsysteme, die solch ein Verhalten belohnen. Aber es gibt ein gutes Argument, mit dem die Shareholder davon überzeugt werden können: Es zahlt sich aus – auch an der Börse.

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