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14.01.2021

14:47

Kommentar

Kurioser Aktienmarkt: Anleger sollten mit anderen Augen auf die Rally schauen

Von: Andreas Neuhaus

Tesla, Wasserstoff, Signal, Wirecard – das Börsenjahr ist noch keine zwei Wochen alt, aber schon reich an Kuriositäten. Das Enttäuschungspotenzial ist riesig.

Der Aktienmarkt wird von billionenschweren Konjunkturhilfen von Regierungen und Notenbanken angetrieben. dpa

Börse Frankfurt

Der Aktienmarkt wird von billionenschweren Konjunkturhilfen von Regierungen und Notenbanken angetrieben.

Normal ist es nicht mehr, was sich allein in diesem Jahr an den Aktienmärkten schon abgespielt hat. Eigentlich ist es sogar ziemlich verrückt und sollte Anleger mit anderen Augen auf die aktuelle Rally blicken lassen.

Einige Beispiele aus dem noch jungen Jahr: Die Wirecard-Aktie stieg zeitweise um bis zu 480 Prozent auf 1,81 Euro, obwohl der insolvente Zahlungsdienstleister gerade abgewickelt wird. Dass es bei solchen Aktien zu Kursschwankungen kommt, mag normal sein, dass die Titel täglich bis zu 50 Millionen Mal gehandelt wurden, ist es nicht.

In den USA kauften Anleger sogar die falsche Aktie. Sie trieben den Kurs des unbekannten Medizintechnik-Unternehmens Signal Advance binnen zwei Handelstagen um 930 Prozent in die Höhe. Eigentlich hatten sie die Aktie des Messenger-Dienstes Signal kaufen wollen – doch der ist nicht börsennotiert. Auch so eine Verwechslung passierte nicht das erste Mal – ein Großteil der Kursgewinne kam aber zustande, als der Irrtum schon bekannt war.

Unfreiwillig ausgelöst hatte die Rally Tesla-Chef Elon Musk, der den Messenger-Dienst in den sozialen Medien anpries. Musk selbst ist derweil zum reichsten Menschen auf der Welt geworden, weil die Aktie des E-Auto-Pioniers innerhalb von zwölf Monaten um mehr als 700 Prozent stieg. Zur Einordnung: Musk, der aktuell mit Tesla jährlich 500.000 Autos verkauft, ist jetzt reicher als Amazon-Chef Jeff Bezos, der den weltweiten Onlinehandel kontrolliert.

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    Im Vergleich zu Wasserstoff-Titeln ist Tesla sogar moderat bewertet. Die Aktie von Plug Power beispielsweise stieg im selben Zeitraum um mehr als 1500 Prozent, allein in diesem Jahr hat sich der Kurs verdoppelt.

    Euphorisierte Anleger treiben die Kurse

    Ja, an den Börsen wird die Zukunft gehandelt, der Aktienkurs spiegelt also die Erwartungen der Anleger an das Unternehmen wider. Diese Erwartungen sind aber bei etlichen Aktien derart hoch, dass das Enttäuschungspotenzial riesig ist. Sie gleichen einem Tippschein bei Sportwetten, bei dem nur auf haushohe Siege gewettet wurde. Das kann eintreten, wahrscheinlich ist das nicht.

    Das bedeutet nicht, dass es bald zu einem Crash kommen muss. Die Party kann sogar noch eine Weile auf breiter Front so weitergehen, unterstützt von billionenschweren Konjunkturhilfen von Regierungen und Notenbanken sowie von einer Zinspolitik, die Aktien alternativlos macht. Dadurch sind sogar neue Rekordstände wahrscheinlich.

    Die jüngsten Auswüchse deuten aber darauf hin, dass der Markt in die Endphase einer mehr als zehnjährigen Rally eingetreten ist, in dessen Gesamtbild selbst der Corona-Crash nur eine kurzzeitige Korrektur war. Getrieben wird die Rally in dieser Phase von euphorisierten Anlegern, die teils sogar kreditfinanziert ihre Lieblingstitel und den Gesamtmarkt immer weiter hochjazzen. Das sollte jeder im Hinterkopf haben, der auf den Aktienmarkt schaut.

    Dieses Gemisch macht für dieses Jahr eine hohe Volatilität und deutliche Rücksetzer wahrscheinlich. Sollte dann noch die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe zurückfahren, dürfte es ungemütlich werden – gerade für die zuletzt so gehypten Titel.

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