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10.02.2019

17:39

Der Politiker galt einst als Hoffnungsträger in Großbritannien. AP

Jeremy Corbyn

Der Politiker galt einst als Hoffnungsträger in Großbritannien.

Kommentar

Labour-Chef Corbyn hat sich im Brexit-Chaos selbst zum Statisten degradiert

Von: Carsten Volkery

Statt Kapital aus dem Regierungschaos zu schlagen, beweist sich der Oppositionsführer als ebenso großer Dilettant wie May. Corbyn sollte als Anführer ausgetauscht werden.

Es ist schon eine Weile her, dass Jeremy Corbyn als Hoffnungsträger galt. Seinen gefühlten Höhepunkt hatte er im Sommer 2017, als die Labour-Partei unter seiner Führung bei der Unterhauswahl überraschend gut abschnitt. Die konservative Premierministerin Theresa May verlor damals ihre absolute Mehrheit, der Herausforderer ritt auf einer Welle der Sympathie.

Corbyn profitierte von zwei Faktoren: Bei der Jugend galt der authentische Altlinke als cool, sodass sie leidenschaftlich für ihn in den Wahlkampf zog. Und Brexit-Gegner aller Altersklassen wählten ihn aus purer Verzweiflung: Sie hofften, dass Labour die schlimmsten Pläne der Tory-Fanatiker verhindern und die weichestmögliche Landung für die britische Wirtschaft sicherstellen würde.

Beide Gruppen wurden enttäuscht: Corbyns Coolness-Faktor verblich mit der Zeit. Und beim Brexit erwies er sich als ebenso großer Dilettant wie May. Statt aus dem Regierungschaos Kapital zu schlagen, hat der Oppositionsführer sich selbst zum Statisten in dem Spektakel degradiert.

Er schafft es nicht, Neuwahlen durchzusetzen. Ein zweites Referendum will er nicht. Und mit seinen fünf Brexit-Forderungen, die er gerade in einem Brief an May formulierte, stößt er bei der Premierministerin auf taube Ohren.

So hat Corbyn das Kunststück fertiggebracht, dass Labour in einigen Umfragen schon wieder deutlich hinter die Tories zurückfällt. Und das, obwohl die Regierung seit Monaten führungs- und richtungslos dahintreibt.

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Premierministerin May reist an diesem Mittwoch zu neuen Verhandlungen nach Brüssel. Labour-Chef Corbyn muss derweil einen weiteren Verlust hinnehmen.

Noch schlechter sind seine persönlichen Beliebtheitswerte: 72 Prozent der Briten sind unzufrieden mit seiner Arbeit. So schlechte Werte hatte zuletzt sein Vorgänger Michael Foot in den Achtzigerjahren, der aber immerhin gegen eine übermächtige Margaret Thatcher kämpfen musste.
Corbyn hat ein Glaubwürdigkeitsproblem: Er bekämpft die EU seit Jahrzehnten so leidenschaftlich wie die Tory-Hardliner. Deshalb wirken alle seine Brexit-Vorstöße nur wie Taktiererei. Sein jüngstes Angebot, den EU-Ausstiegsvertrag mit Labour-Stimmen zu verabschieden, wenn May langfristig eine Zollunion akzeptiert, zielt nicht wirklich auf überparteiliche Zusammenarbeit. Es soll vor allem die Konservativen spalten.

Der Oppositionsführer verbreitet auch immer noch gerne Brexit-Illusionen: So behauptet er, dass das Königreich auch als Drittstaat in einer Zollunion bei der EU-Handelspolitik mitreden könnte. Das ist pures Wunschdenken.

Die meisten Briten halten May daher trotz aller offensichtlichen Schwächen immer noch für kompetenter. Das sollte der Labour-Partei eigentlich als Argument ausreichen, um Corbyn als Anführer auszutauschen.

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