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02.08.2022

20:32

Kommentar

Lufthansa sollte es in Italien ohne die ITA versuchen

Von: Jens Koenen

Wieder einmal wird die Staatsairline Opfer einer Regierungskrise. Europas größte Airline-Gruppe sollte im italienischen Markt auf Bordmittel setzen.

Die Nachfolge-Airline von Alitalia braucht einen starken Partner, um zu überleben. Doch die Regierungskrise in Italien verzögert eine Entscheidung. NurPhoto/Getty Images

Airbus von ITA Airways

Die Nachfolge-Airline von Alitalia braucht einen starken Partner, um zu überleben. Doch die Regierungskrise in Italien verzögert eine Entscheidung.

Die Situation ist mal wieder kurios: Der italienische Regierungschef Mario Draghi will angeblich den Verkauf der staatlichen Fluggesellschaft ITA an das Duo Lufthansa und MSC verkünden – doch am selben Tag bricht in Rom eine schwere Regierungskrise aus. Abrupter wurde bisher wohl kein größerer Deal in der Luftfahrt gestoppt. Wann und ob der Verkaufsprozess wieder anläuft, ist völlig offen.

Zigmal schon hat die Politik die Planungen des ITA-Vorläufers Alitalia zwischen den Fronten zerrieben. Nun hängen die italienische Staatsairline und Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erneut in der Luft, weil die Parteien nicht in der Lage sind, dem Land eine nachhaltig stabile Regierung zu geben.

Die Lufthansa-Spitze ist fest entschlossen, in Italien stärker Fuß zu fassen. Es ist einer der wichtigsten europäischen Märkte für den Konzern. Angesichts der ständigen politischen Verwerfungen sollte sich das Management in Frankfurt aber ernsthaft überlegen, ob sie sich nicht lieber aus eigener Kraft in Italien breitmachen wollen.

Natürlich hat ein ITA-Deal viel Charme. Es ist die neue nationale Airline des Landes, Lufthansa müsste nicht erst eine Fluggesellschaft mit einer Art italienischer DNA aufbauen. Wie schwer das ist, weiß das Konzernmanagement spätestens seit 2011. Die Lufthansa Italia scheiterte nach nicht einmal drei Jahren.

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    Auch ist die ITA nicht mehr mit der Alitalia zu vergleichen. Viele Altlasten hat das Unternehmen abgeworfen, selbst die mächtigen Gewerkschaften haben sich zuletzt kompromissbereit gezeigt. Hinzu kommen wertvolle Verkehrsrechte, die sich Lufthansa sichern würde.

    Doch die erneute Regierungskrise führt vor Augen, wie fragil das gesamte Konstrukt ist. Der Staat will bei der ITA an Bord bleiben, darauf mussten sich Lufthansa und MSC einlassen.

    Je nachdem, welche politische Farbe gerade in Rom das Sagen hat, könnte es für Lufthansa und MSC schnell ungemütlich werden. Denn die italienische Politik ist unkalkulierbar und wenig verlässlich.

    Für ein Unternehmen ist das pures Gift. Selbst wenn Lufthansa und MSC doch noch den Zuschlag erhalten sollten, beide müssten damit rechnen, dass die Regierung ganz eigene, nationale Interessen durchsetzen will.

    Die Lufthansa könnte auch aus eigener Kraft das Italien-Geschäft ausweiten. Die Tochter Air Dolomiti ist eine etablierte Marke in Italien und fliegt dort mit Erfolg. Um in Italien stärker zu punkten, könnte die Lufthansa den Ableger mit modernen und effizienteren Flugzeugen aufrüsten. Entsprechende Pläne gibt es schon länger.

    Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, sie aus der Schublade zu holen.

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