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18.10.2019

04:06

Kommentar

Markus Söder: Vom polternden Politiker zum fürsorglichen Landesvater

Von: Jan Hildebrand

Der CSU-Vorsitzende macht derzeit strategisch vieles richtig und strebt eine Reform seiner Partei an. Auf dem Parteitag dürfte er mit gutem Ergebnis wiedergewählt werden.

Der bayerische Ministerpräsident Söder verzichtet derzeit auf polternde Auftritte und populistische Zuspitzungen. dpa

Markus Söder

Der bayerische Ministerpräsident Söder verzichtet derzeit auf polternde Auftritte und populistische Zuspitzungen.

Mit dem CSU-Vorsitz und dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten habe er seinen „Traumjob“ gefunden, sagte Markus Söder diese Woche. Das kann man ihm abnehmen – nicht nur, weil er viele Jahre darauf hingearbeitet hatte, seinem Rivalen Horst Seehofer beide Posten abzujagen.

Söders Bekenntnis vor dem CSU-Parteitag verdeutlicht: Hier steht jemand in seinem politischen Zenit. Der Verweis auf den Traumjob in Bayern ist auch das Kokettieren mit bundespolitischen Ambitionen: Könnte er nicht auch Kanzlerkandidat der Union werden?

Die Antwortet lautet: sehr unwahrscheinlich. Doch dass die Frage überhaupt gestellt wird, verdeutlicht nicht nur die Schwäche der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, sondern auch Söders Stärke. Insofern kann er sich berechtigte Hoffnung machen, bei dem am Freitag beginnenden Parteitag mit einem guten Ergebnis wiedergewählt zu werden.

Söder macht derzeit strategisch vieles richtig. Auf polternde Auftritte und populistische Zuspitzung verzichtet er, stattdessen gibt er als Ministerpräsident den fürsorglichen Landesvater. Das ist auch die Lehre aus dem desaströsen Ergebnis der bayerischen Landtagswahl, für das vor allem Seehofer verantwortlich gemacht wurde – auch wenn Söder den damaligen Krawallkurs gegen die Kanzlerin mittrug.

Inhaltlich stellt sich Söder nun viel breiter auf, gibt seiner Politik eine grüne und soziale Note. Gleichzeitig treibt er eine Parteireform voran. Die CSU soll weiblicher, jünger und digitaler werden. Der Parteitag soll verschiedene Quoten beschließen. Söder hat die CSU stabilisiert. Die Partei ist jetzt auf ihn zugeschnitten – auch wegen der Schwäche der drei CSU-Bundesminister.

Als Kanzlerkandidat aber würde sich Söder außerhalb Bayerns deutlich schwerer tun. Das weiß er. Zwei Mal habe die CSU versucht, den Kanzler zu stellen, sagte Söder gerade bei einer Feier in Berlin, und keine Sorge, dabei bleibe es. Ein Scherz – aber den muss man erst mal machen können.

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