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02.08.2019

14:52

Der US-Präsident zieht im Handelsstreit die Daumenschrauben an. Damit will er sich vor dem amerikanischen Volk als großer Macher inszenieren. dpa

Donald Trump

Der US-Präsident zieht im Handelsstreit die Daumenschrauben an. Damit will er sich vor dem amerikanischen Volk als großer Macher inszenieren.

Kommentar

Maximaler Druck im Handelsstreit: Trump verunsichert die Börsen

Von: Robert Landgraf

Mit seinen jüngsten Zolldrohungen provoziert der US-Präsident neue Eskalationen im Handelsstreit. Das belastet das ohnehin schon unsichere Marktumfeld weiter.

Das hat die Finanzwelt nun wirklich nicht gebraucht. In einem ohnehin schon unsicheren Marktumfeld twittert wieder einmal Donald Trump dazwischen und macht alle Erholungsversuche im Handelsstreit zwischen den USA und China zunichte. Der US-Präsident markiert den starken Mann – und hat zehn Prozent Zölle auf die restlichen 300 Milliarden Dollar Handelsvolumen zum Anfang September angekündigt, die bislang noch nicht betroffen waren.

Offenbar versucht Trump mit Druck die amerikanischen Forderungen durchzudrücken – wenn er sich dabei nicht verrechnet und die Welt in einen Abgrund zieht. Sowohl die Konjunktur und damit die Unternehmen als auch am Ende natürlich die Märkte wären betroffen. Die Gefahr ist offensichtlich. Zurecht herrscht Alarmstimmung. Da hilft es nur wenig, dass Börsen teilweise in der Nähe ihres Rekordniveaus stehen.

Mit Trumps jüngstem Tweet wird auch klar, warum der Präsident die US-Notenbank Fed und ihren Chef Jerome Powell zuletzt wüst beschimpfte und mehr und höhere Zinssenkungen forderte. Er will Spielraum und Unterstützung für seine Politik des maximalen Drucks. Die Fed soll die Konjunktur mit ihren Maßnahmen stützen, während der Präsident selbst bei Zöllen mit harter Hand durchgreift.

Und in gewisser Weise hat Trump ein Teilziel bereits erreicht. Wegen der vom Handelsstreit ausgelösten Unsicherheit mit Blick auf schwaches Wachstum in den USA und anderswo sowie einer niedrigen Inflation rang sich die Fed zur jüngsten Lockerung der Geldpolitik um einen viertel Prozentpunkt durch. Da wird noch mehr kommen, lässt sich schon heute sagen. Drei weitere Zinssenkungen sind möglich, auch wenn die Märkte das zuletzt nicht mehr eingepreist hatten. Doch das war vor den neuesten Entwicklungen.

Den dadurch erreichten Spielraum nutzt Trump mit Sicherheit, um im Handelsstreit die Daumenschrauben anzuziehen und sich dem Wahlvolk als Macher zu präsentieren. Deshalb ist davon auszugehen, dass die angedrohten Zölle auch tatsächlich umgesetzt werden. Ziel der Politik des maximalen Drucks ist es, eine für die USA optimale Lösung bis zur Präsidentschaftswahl im Herbst 2020 durchzubekommen. Dann will Trump zum zweiten Mal ins Weiße Haus gewählt werden. Diesem Ziel wird alles untergeordnet, für den Plan werden hohe Risiken eingegangen.

China wappnet sich im Handelsstreit

China hat – wie nicht anders zu erwarten – bereits Gegenmaßnahmen angedroht, wenn die Ankündigung umgesetzt würde. Das dürfte tatsächlich so kommen. Denn die Chinesen haben in den vergangenen Wochen und Monaten die Situation in ihren Provinzen geprüft und geschaut, ob sie einen langanhaltenden Handelsstreit aushalten würden.

Offenbar ist die Regierung zu dem Ergebnis gekommen, dass genug politische und monetäre Instrumente bereitstehen, um einen Handelskrieg auch für längere Zeit durchzustehen, ohne dass das Wachstumsziel von sechs bis 6,5 Prozent gestrichen werden muss. Die Konfrontation dürfte sich also zuspitzen und die Börsen darunter stark leiden.

Bislang stehen gerade die Vereinigten Staaten noch gut da. Die Konjunktur läuft rund. Und von Seiten der Inflation drohen keine Gefahren. Doch das ist eine Momentaufnahme. Angesichts der Unsicherheiten werden sich die US-Konzerne bei ihren Investitionen zurückhalten und legen damit heute schon die Basis für Probleme von morgen.

Für Europas Unternehmen gilt das ohnehin schon. Hier läuft die Wirtschaft sowieso zäher, wie ein exemplarischer Blick nach Deutschland zeigt. Dazu kommt noch eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen ungeordneten Austritt der Briten aus der Europäischen Union als weitere Belastung.

Dabei ist noch gar nicht eingerechnet, dass Trump sich wahrscheinlich auch Europa bei den Zöllen vornehmen wird. Das Thema ist derzeit in den Hintergrund gerückt – fälschlicherweise. Ein Streit wird gerade die deutsche Autoindustrie hart treffen, die ohnehin schon mit dem Umbau von Verbrennern auf Elektromobilität zu kämpfen hat. Das gilt noch viel mehr für die Zuliefererindustrie.

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Anleger sollten ihr Portfolio wetterfest machen

All das kommt in einem Umfeld hoch, in dem die Ergebnisse in der Berichtssaison für deutsche Unternehmen im zweiten Quartal sehr gemischt ausfallen. Zudem müssen immer mehr Firmen ihre zum Jahresbeginn gehegten Hoffnungen auf eine starke Geschäftserholung im zweiten Halbjahr zurückschrauben.

Angesichts der vielen Probleme in Politik und Wirtschaft reagiert die Börse mit dem aktuellen Kurseinbruch völlig verständlich und richtig. Ein deutscher Aktienindex, der über der Marke von 12.000 Punkten liegt, ist schlicht nicht angebracht und gerechtfertigt. Der bisherige Kursaufschwung beruhte vor allem auf Hoffnungen, die sich mehr und mehr als falsch herausstellen.

Da können auch die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik nur begrenzt helfen. Das gilt gerade für die Europäische Zentralbank, die einen Großteil ihres Pulvers verschossen hat und jetzt vor allem über erneute Käufe von Anleihen und wahrscheinlich im schlimmsten Fall auch von Aktien für eine gewisse Erleichterung sorgen kann.

Der jüngste Rücksetzer ist eine Warnung, die zweitstelligen Kursgewinne in diesem Jahr dringend abzusichern und das eigene Portfolio wetterfest zu machen. Bei Aktien ist in jedem Fall höchste Vorsicht geboten. Starke Kursschwankungen werden in den nächsten Wochen auf der Tagesordnung stehen. Es gilt, sich weniger konjunktursensible Dividendentitel ins Depot zu legen.

Auch wenn bei Anleihen nicht viel zu verdienen ist, sollten Positionen hier als Sicherheitspuffer ebenfalls aufgestockt werden. Bei Gold handelt es sich zudem um eine in diesem Umfeld attraktive Alternative. Wer es sich leisten kann, sollte gerade auch auf Investments in Private Equity sowie Hedgefonds verstärkt ausweichen, die in diesem Umfeld bessere Chancen bieten.

Kommentare (2)

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Herr Christian Faust

02.08.2019, 15:30 Uhr

...es sollte doch wohl dem letzten klar sein, dass Trump den Chinesen aber auch den Europäern (insbesondere den Deutschen) den Stecker ziehen will. Er weiß um die Abhängigkeit der Welt vom gigantischen US Markt...jetzt müssen wir auf Entzug...das wird sehr hart aber machbar.

Herr Martin Winkler

02.08.2019, 16:27 Uhr

Die viel belächelten Sparer können durchaus die lachenden dritten werden. Anleihen haben die letzten Jahre auch nicht gerade geglänzt.

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