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19.11.2018

18:23

CDU-Vorsitz: Merz‘ Eignung ist keine Frage des Geldes dpa

Friedrich Merz

Der Kandidat für den CDU-Parteivorsitz bezeichnet sich selbst als Teil der oberen Mittelschicht.

Kommentar

Merz’ Eignung für den CDU-Vorsitz ist keine Frage des Geldes

Von: Sven Afhüppe

Die Kritik am Millioneneinkommen von Friedrich Merz ist grotesk. Der individuelle wirtschaftliche Erfolg darf kein Kriterium für die Beurteilung von Politikern sein.

Deutschland hat – so suggerieren in diesen Tagen einige Politiker und Journalisten – ein neues Aufregerthema. Das Jahreseinkommen von Friedrich Merz. Dass der Wirtschaftsexperte, der nach Angela Merkel neuer CDU-Vorsitzender werden will, in den vergangenen Jahren ordentlich verdient hat, war ein offenes Geheimnis.

Dass er aber immer noch jährlich einen siebenstelligen Betrag einstreicht, kommt für einige Deutsche offenbar einem Skandal gleich. Am Wochenende sah sich Merz gezwungen, frühere Angaben zu präzisieren und sein Bruttoeinkommen mit „rund einer Million Euro“ zu beziffern.

Der Millionenverdienst und Merz’ Äußerung, er sehe sich als „Teil der gehobenen Mittelschicht“, haben eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Dabei ist die Frage, ob ein Kandidat für die Aufgabe des CDU-Parteivorsitzenden geeignet ist, keine Frage des Geldes.

Maßstab sollten allein die Ideen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Landes sein. Der individuelle wirtschaftliche Erfolg kann und darf kein Kriterium für die Beurteilung von Politikern sein.

Die Debatte über das Einkommen von Friedrich Merz hat etwas typisch Deutsches. Die Deutschen schätzen die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft, wobei viele Bürger das Soziale höher gewichten als die Marktwirtschaft. Man ist stolz auf die Durchlässigkeit der Gesellschaft, in der es Menschen aus unteren Einkommensschichten durch eigene Anstrengung und gute Bildung weit nach oben schaffen.

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Politiker wie Willy Brandt oder Gerhard Schröder, die aus einfachsten Verhältnissen bis ins Kanzleramt gekommen sind, haben für diesen Aufstieg großen Respekt erfahren. Doch wer in Deutschland ökonomischen Erfolg hat, wer mehr als der Durchschnitt verdient und sich einen besseren Lebensstil leisten kann, macht sich verdächtig.

Manager und Unternehmer, die Millionen verdienen, werden – anders als Sportmillionäre – mit großer Skepsis beäugt. Noch größer ist der Neidreflex bei Politikern, die in der Wirtschaft erfolgreich sind. Die Millionen, die Peer Steinbrück als Buchautor und Redner verdient hatte, hatten wahrscheinlich entscheidenden Anteil an seiner Niederlage bei der Kanzlerwahl im Jahr 2013.

Jetzt muss sich Merz der Debatte über sein Einkommen stellen. Dabei sagt sein Jahresverdienst nichts über seine Fähigkeiten aus, den Markenkern der CDU weiterzuentwickeln, frühere CDU-Wähler von der AfD zurückzuholen oder die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern.

Dass diese Themen von der Millionärsfrage überschattet werden, wirft kein gutes Licht auf den Auswahlprozess für ein so wichtiges Amt in diesem Land. Ein Skandal wäre der Jahresverdienst von Merz nur dann, wenn er unlautere Geschäfte praktizieren oder Steuern hinterziehen würde. Davon ist aber nichts bekannt.

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Merz’ Umgang mit dem Thema Geld ist indes alles andere als gekonnt. Es ist wenig überzeugend, dass er darauf beharrt, als Millionär nicht zur Oberschicht zu gehören, sondern zur „gehobenen Mittelschicht“. Dieser Befund ist realitätsfremd. Als Millionär zählt Merz wie andere Besserverdiener zu dem einen Prozent der Gesellschaft mit dem höchsten Jahreseinkommen.

In dieser Gruppe der Topverdiener gibt es zwar auch noch große Einkommensunterschiede. Aber Merz’ Versuch, sein Einkommen künstlich kleinzureden, ist mindestens ungeschickt. Die Millionen, die er in den vergangenen Jahren in der Wirtschaft verdient hat, sind Teil seiner Lebensgeschichte und damit auch seiner Lebenswirklichkeit.

Es wäre sicher glaubwürdiger gewesen, ökonomisch sich als der zu beschreiben, der er ist: ein wohlhabender Bürger des Landes.

Ob Merz allein wegen seines Gehalts die Bodenständigkeit und das Gespür für die Sorgen der Menschen verloren hat, wie viele Kritiker jetzt behaupten, ist nicht bewiesen. Wer die Politik der letzten Jahre verfolgt hat, könnte auch zu dem Schluss kommen, dass Bundestagsabgeordnete mit Diäten von mehr als 110.000 Euro im Jahr die Sorgen der Wähler nur noch rudimentär im Blick haben. Zumindest könnte das eine Erklärung für den Absturz der Volksparteien CDU und SPD in der Wählergunst erklären.

Eine Neiddebatte über das Millioneneinkommen von Merz ist ziemlich fruchtlos. Vielmehr sollten Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn der Frage nachgehen, wie sich in Deutschland angesichts von globalem Wettbewerb und digitaler Transformation noch ein auskömmliches und verlässliches Einkommen erzielen lässt. Die Sorge, durch ausländische Konkurrenz oder Künstliche Intelligenz den Arbeitsplatz zu verlieren, ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit.

Schon jetzt erleben viele Menschen eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Es wäre ein großes Verdienst, wenn die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz Vorschläge für einen besseren Zusammenhalt der Gesellschaft entwickeln würden. Nicht die Zahl der Einkommensmillionäre wird zum gesellschaftlichen Sprengsatz, sondern die Zahl derer, die sich abgehängt und vergessen fühlen.

Kommentare (6)

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Herr Frank Krebs

20.11.2018, 08:26 Uhr

Grundsätzlich kann die Eignung einer Person natürlich keine Frage des Geldes sein. Es stellt sich aber in einem Land, das durchaus als gespalten gelten kann, die Frage, ob die CDU mit Merz als Vorsitzenden die richtigen Signale aussendet.
Eine der wichtigsten Zukunftsfragen ist doch, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder gestärkt werden kann. Ich bezweifle, daß Herr Merz hierzu die richtigen Antworten findet.

Herr Hans Henseler

20.11.2018, 10:25 Uhr

ich glaube, wer persoenlich erfolgreich ist kann auch fuer das Land erfolgreich sein. Und es
ist wichtiger mehr Kuchen zu produzieren als den immer gleichen Kuchen mehr und mehr
verteilen zu wollen. Wenn das Land gewinnt, gewinnen alle.

Herr Helmut da Silva

20.11.2018, 11:31 Uhr

Bei F. Merz schlägt wiedereinmal die typische deutsche Neidgesellschaft zu.
Wenn jemand erfolgreich ist und damit sehr gut verdient wird es ihm/ihr Missgönnt.

Jeder sollte sich doch eher selbst die Frage stellen, was kann, muss ich tun, um beruflich erfolgreicher zu werden. Welchen Aufwand, Seminare, Kurse, Schulungen muss ich dafür erfolgreich besuchen.

Nein das ist zu mühselig, da schreit man lieber nach Umverteilung.

Wir müssen dringend unsere Denkweise ändern, der Erfolgreiche ist der Held, nicht der Harz VI Empfänger.

Wir haben in der Politik bereits zu viele Loser, wir brauchen erfolgreiche Macher wie F. Merz.

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