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23.01.2022

14:43

Kommentar

Merz ist die letzte Patrone der CDU

Von: Thomas Sigmund

Die SPD hat jahrelang einen Vorsitzenden nach dem anderen verschlissen. Wenn die CDU diesen Weg nicht gehen will, muss der neue Parteichef jetzt liefern. 

Der alte Vorsitzende übergibt an den neuen Vorsitzenden: Merz (l.) übernimmt den Bundesvorsitz der CDU von Laschet. Getty Images

Friedrich Merz und Armin Laschet

Der alte Vorsitzende übergibt an den neuen Vorsitzenden: Merz (l.) übernimmt den Bundesvorsitz der CDU von Laschet.

Für Friedrich Merz ist ein jahrzehntelanger Traum in Erfüllung gegangen. Nach vielen Kämpfen und Enttäuschungen steht er an der Spitze der CDU. Selten sah man ihn so gerührt.

Damit ist die Ära Merkel bei den Christdemokraten beendet. Ihre Favoriten und unglücklichen Erben Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet gehen in die Parteigeschichte als Kurzzeit-Vorsitzende ein.

Will die Partei aber nicht den entbehrungsreichen Weg der SPD gehen, die nach Willy Brandt einen Vorsitzenden nach dem anderen verschlissen hat, muss Friedrich Merz jetzt liefern. Er ist so etwas wie die letzte Patrone der CDU.

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    Der studierte Jurist ist ein Mann aus der Wirtschaft für die Wirtschaft. Seine politische Zwangspause führte ihn in die Höhen der Industrie und vor allem der Finanzbranche. Das alles prägte ihn und macht ihn beim Mittelstand und den Managern glaubwürdig.

    Die FDP hätte sich sicherlich einen anderen Vorsitzenden gewünscht. Zwar liegt mit dem Abschied von Angela Merkel die schwarz-gelbe Option wieder auf dem Tisch. Doch Merz könnte gerade diejenigen liberalen Wählerinnen und Wähler ansprechen, die nie etwas von der Ampel aus SPD, Grünen und FDP gehalten haben.

    FDP-Chef Christian Lindner hält noch Kurs. Aber beim ersten ordnungspolitischen Fehler wäre Merz sofort da. Das liegt in seiner DNA. In anderen politischen Feldern muss er sich das Gespür noch aneignen. Auch hier fängt er nicht bei null an. Themen wie die gleichgeschlechtliche Ehe wird er nicht zum Kampffeld erklären. Beim Streit um die Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen hat man wenig von ihm gehört.

    Britisches Modell mit Schattenkabinett 

    Die CDU ist nicht die geborene Oppositionspartei. Das weiß auch Merz. Im Endeffekt müsste er sich des britischen Modells bedienen und ein Schattenkabinett aufstellen. Eine reine Hau-drauf-Opposition, wie es derzeit die CSU macht, goutiert die eigene Wählerschaft nicht. 

    Merz steht vor einem strategischen Dilemma. Will die CDU wieder Volkspartei werden, also über 30 Prozent im Bund erreichen, reicht ein konservatives Profil nicht aus. Die schwere parteipolitische Erblast Merkels ist die AfD. Der Merz der 90er-Jahre könnte locker drei bis vier Prozentpunkte aus diesem Lager zurückholen. Er würde aber gleichzeitig in der Mitte Wähler verlieren. Die Macht wird aber immer über die Mitte in Deutschland verteilt.

    Merz hat in seiner Rede Akzente in diese Richtung gesetzt und das Soziale betont. Wichtig ist aber, dass er in der Union Geschlossenheit organisiert. Dazu muss er die Verlierer des Parteitags integrieren, den Schulterschluss mit CSU-Chef Markus Söder glaubhaft mit Leben erfüllen und eine gesichtswahrende Lösung für Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus finden. Gelingt ihm das, hat die CDU große Chancen, in NRW die Landtagswahl mit einem Merz-Effekt zu gewinnen.

    Die Stärke der CDU war immer, die Modernisierungsströme in breiten bürgerlichen Kreisen konsensfähig zu machen. Die Adenauer-CDU wurde vom Modernisierer Helmut Kohl machtfähig gemacht. Nach 25 Jahren Parteivorsitz von Kohl war es Angela Merkel, die der Partei und sich das Kanzleramt sicherte. Jetzt steht Friedrich Merz am Scheideweg für die CDU.

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