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06.07.2022

16:13

Kommentar

Mit der Klage gegen Biontech droht Curevac ein schwerer Imageschaden

Von: Maike Telgheder

Ein Erfolg vor Gericht könnte Curevac wichtige Einnahmen bringen. Doch selbst das würde das verlorene Ansehen nicht wettmachen.

Das Biotech-Unternehmen hat Klage gegen Biontech und zwei Tochtergesellschaften des Mainzer Unternehmens eingereicht. dpa

Curevac-Zentrale in Tübingen

Das Biotech-Unternehmen hat Klage gegen Biontech und zwei Tochtergesellschaften des Mainzer Unternehmens eingereicht.

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac klagt gegen den Mainzer Impfstoffhersteller Biontech wegen Patentrechtsverletzungen: Die Mainzer haben aus Sicht der Tübinger geistiges Eigentum von Curevac bei ihrem mittlerweile milliardenfach verkauften Covid-19-Impfstoff Comirnaty verwandt.

Die Einnahmen, die ein Erfolg vor Gericht bringen würde, könnte Curevac zwar gut gebrauchen. Doch das Unternehmen muss sich darauf einstellen, dass es an Ansehen verliert, was nicht einfach wieder gewonnen werden kann.

Denn die Klage klingt ganz danach, als ob Curevac ein schlechter Verlierer sei: Beide Unternehmen hatten 2020 fast zeitgleich mit der Entwicklung eines gentechnischen Impfstoffs gegen das Virus Sars-Cov-2 begonnen. Während Biontech mit seinem US-Partner Pfizer schon Milliarden Dosen seines Covid-19-Vakzins geliefert hat, musste Curevac seinen deutlich weniger wirksamen Impfstoffkandidaten aufgeben.

Aber, um fair zu bleiben: Klagen wegen Patentrechtsverletzungen sind in der Pharma- und Biotech-Industrie üblich. Auch bei Covid-19-Impfstoffen auf Basis der neuartigen Messenger-RNA-Technologie gibt es sie schon: In den USA klagen die Biotech-Firmen Arbutus Biopharma und Genevant Sciences gegen den mRNA-Impfstoffhersteller Moderna. Und Alnylam geht sowohl gegen Moderna als auch gegen Pfizer vor.

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    Gleich ist allen Klagen, dass mit ihnen nicht, wie normalerweise bei Patentverletzungsverfahren üblich, die Produktion, der Verkauf oder Vertrieb der Covid-Impfstoffe ausgesetzt oder behindert werden sollen. Das hätte den klagenden Unternehmen auch einen weltweiten Sturm der Entrüstung beschert. Curevac und die anderen Unternehmen wollen Schadensersatz, schlicht Geld.

    Ob eine Patentrechtsverletzung vorliegt, werden die Gerichte entscheiden. Angesichts der Umsätze von 19 Milliarden Euro, die Biontech vergangenes Jahr mit seinem Vakzin gemacht hat, könnte Curevac im Erfolgsfall nach Einschätzung von Juristen durchaus eine dreistellige Millionensumme einstreichen.

    Das wäre für das Unternehmen, dessen Cash-Reserven von 1,3 Milliarden Euro Ende 2020 auf mittlerweile weniger als die Hälfte gesunken sind, ein wahrer Segen. Aus Sicht der Beschäftigten und Aktionäre, zu denen der deutsche Staat gehört, ist es vielleicht sogar geboten, jede Möglichkeit auszuschöpfen, an frisches Geld zu kommen.

    Das Problem bei der Klage von Curevac ist eher moralischer Natur: Wer Biontech, den weltweit anerkannten Retter in der Covid-19-Pandemie angreift, macht sich keine Freunde.

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