Handelsblatt App
Jetzt kostenlos testen Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2019

15:40

Kommentar

Mit einem Nachrichtensender will Pro Sieben Sat 1 an frühere Zeiten anknüpfen

Von: Hans-Peter Siebenhaar

Der Fernsehkonzern plant, einen Informationssender zu gründen. Ein kluger Schritt: Noch nie zuvor konnte mit so wenig Geld mehr Medienvielfalt ermöglicht werden.

Der Konzern plant einen Nachrichtensender. dpa

Pro-Sieben-Sat-1-Logo

Der Konzern plant einen Nachrichtensender.

Als Pro Sieben Sat 1 vor neun Jahren den Nachrichtenkanal N 24 verkaufte, war der Schmerz in den eigenen Reihen groß. Denn Deutschlands größten Fernsehkonzern konnte sich kaum jemand ohne einen eigenen Informations- und Dokumentationskanal vorstellen.

Doch der damalige CEO Thomas Ebeling wollte unrentable Geschäfte loswerden und verschleuderte den Nachrichtensender. Ebeling ist heute Geschichte bei Pro Sieben Sat 1. Sein Nachfolger Max Conze, zuvor CEO des britischen Haushaltsgeräteherstellers Dyson, denkt anders. Er prüft intensiv die Gründung eines neuen, konzerneigenen Informationssenders auch in Deutschland.

Das mag überraschen, aber es wäre ein kluger Schritt. Denn dadurch gewänne der Fernsehkonzern wieder an Relevanz. Wie der Bedeutungszuwachs aussehen kann, zeigt die österreichische TV-Tochter von Pro Sieben Sat 1.

Anfang dieses Monats ist dort der Nachrichtenkanal Puls 24 quasi als Laborversuch für den deutschen Markt an den Start gegangen. Seitdem geben sich dort die Spitzenpolitiker die Klinke in die Hand. Schließlich wird in Österreich nach der Ibiza-Affäre am 29. September eine neue Regierung gewählt.

In Österreich führt Pro Sieben Sat 1 bereits vor, wie ein frisches Informationsprogramm mit Rededuellen, Talks und Liveschaltungen vor Ort aussehen kann. Den Zuschauern gefällt es, wie die überraschend guten Quoten seit dem Sendestart dokumentieren.

Ein privater Nachrichtenkanal besitzt medienpolitischen Einfluss. Noch trägt das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Informationskompetenz wie eine Monstranz bei der Prozession zur nächsten Gebührenerhöhung vor sich her. Doch durch neue qualitative Angebote der Privaten wie einen Nachrichtenkanal von Pro Sieben Sat 1 als mögliche Ergänzung zu N-TV, der Tochter der RTL Group, verliert dieses Argument von ARD und ZDF zunehmend an Bedeutung.

Dazu kommt: Gerade in Zeiten von Fake News im Netz kann ein neuer, privater TV-Sender, der auf Qualitätsjournalismus setzt, einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung leisten.

Das wirtschaftliche Risiko für Pro Sieben Sat 1 wäre unterdessen überschaubar. Denn Studios, Technik und Journalisten für einen Nachrichtenkanal sind bereits vorhanden. Die Kapazitäten müssen nur erweitert werden. Dank der digitalen Technik sind die Kosten für einen laufenden Sendebetrieb ohnehin auf ein niedriges Niveau gesunken.

Der österreichische Nachrichtenkanal Puls 24 kostet jährlich nur einen höheren einstelligen Millionenbetrag, wie Insider berichten. Noch nie zuvor in der Geschichte des Fernsehens konnte mit so wenig Geld mehr Medienvielfalt ermöglicht werden.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jürgen Popp

12.09.2019, 10:57 Uhr

Ein Nachrichtensender der berichtet was ist und nicht eine Dauerwerbesendung "Links-Autonomer Aktivisten = Journalisten" darstellt, hätte aus dem Stehgreif einen gigantischen Marktanteil.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×