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15.08.2020

15:08

Kommentar

N26 sollte seinen Mitarbeitern mehr Vertrauen schenken

Von: Katharina Schneider

Beschäftigte von N26 wollen einen Betriebsrat gründen. Die Neobank interveniert und hat offenbar falsche Vorstellungen von einem solchen Gremium.

Der Co-Gründer von N26 trägt Verantwortung für 1500 Mitarbeiter. dpa

Valentin Stalf

Der Co-Gründer von N26 trägt Verantwortung für 1500 Mitarbeiter.

Frankfurt Die Bank, die du lieben wirst – der Werbeslogan der Neobank N26 verspricht viel. Doch momentan stellt das Unternehmen diese Liebe wieder einmal auf eine harte Probe. Seit nur fünfeinhalb Jahren ist die Bank am Markt und zählt bereits mehr als fünf Millionen Kunden und rund 1500 Mitarbeiter. Einige Beschäftigte sind seit geraumer Zeit unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen. Sie wollen einen Betriebsrat gründen, doch das Management von N26 stellt sich dagegen.

Mit einstweiligen Verfügungen versuchte die Bank zu verhindern, dass sich Mitarbeiter trafen, um einen Vorstand für die Wahl des Betriebsrats zu wählen. Als Beweggrund nannte das Unternehmen seine Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter – insbesondere in der Coronakrise. Für den Ort der Treffen, ein großes Wirtshaus in Berlin, gebe es kein Gesundheits- oder Sicherheitskonzept für eine solch große Veranstaltung.

Die Initiatoren und zwei Gewerkschaften sahen das anders und ermöglichten die Treffen. Waren sie leichtsinnig und N26 vorbildlich? Wohl kaum, denn neben der Kommunikation der Firma an die Öffentlichkeit gibt es noch jene des Managements an die Mitarbeiter. So etwa eine E-Mail, aus der unter anderem „Zeit Online“ zitiert: Ein deutscher Betriebsrat stehe „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“, heißt es da. Solch ein Gremium verlangsame und mache die Zusammenarbeit hierarchischer.

Doch an welche Werte glaubt N26? Gleichstellung von Frauen und Männern, Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, Mitbestimmung und Arbeitsschutz sind es offenbar nicht, denn für all das tritt laut Gesetz ein Betriebsrat ein. Das mag aus Sicht des Arbeitgebers lästig sein. Aber es unterscheidet ein großes Unternehmen von einem kleinen Gründerteam. Wenn Gründer als nerdige Enthusiasten rund um die Uhr daran arbeiten, das nächste Google oder Apple zu werden, sind sie nur sich selbst verpflichtet. Wer 1500 Mitarbeiter hat, trägt mehr Verantwortung und braucht klare Strukturen.

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    Als Offensive schlägt N26 eine „moderne und internationale Mitarbeitervertretung“ vor. „Modern“ scheint dabei das Gegenteil eines vermeintlich behäbigen und bremsenden, deutschen Betriebsrats zu sein. Bei solchen Assoziationen sollte das Management aber bedenken, dass der Betriebsrat eben nicht von externen Beratern, sondern von ihren eigenen Mitarbeitern besetzt wird.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass die N26-Belegschaft aus Scharen innovationsfeindlicher Menschen besteht, dürfte äußerst gering sein. Daher sollte das Unternehmen darauf vertrauen, dass auch seine Betriebsräte offen für agile Entscheidungen sind. Vielleicht können sie dann gemeinsam wirklich eine Bank gestalten, die sowohl Kunden als auch Mitarbeiter lieben.

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