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19.06.2019

03:58

Kommentar

Paris zeigt: E-Scooter führen zur Verwilderung des Straßenverkehrs

Von: Thomas Hanke

In Frankreichs Hauptstadt sind E-Scooter bereits seit einem Jahr erlaubt. Doch die Erfahrungen sollten für deutsche Städte eher eine Warnung sein.

E-Scooter führen zur Verwilderung des Straßenverkehrs – Kommentar dpa

E-Tretroller in Paris

Die Zweiräder sind zu einer Plage geworden, die Fußgänger behindert.

Was in Deutschland nun im wahrsten Sinne des Wortes anrollt, ist in anderen Ländern schon Realität: Elektrisch betriebene Tretroller beherrschen das Bild schon seit einem Jahr in Paris. Die Zahl der Roller wird dort auf 20.000 geschätzt. Die Erfahrungen in der französischen Hauptstadt können für deutsche Kommunen lehrreich sein.

Zehn verschiedene Unternehmen bieten in Paris motorisierte Flitzer im Free-Float-Service an: Die Kunden können sie abstellen, wo sie wollen. Das ist das erste Problem, denn die Zweiräder finden sich meist mitten auf dem Bürgersteig wieder und sind zu einer Plage geworden, die Fußgänger behindert.

Schwerer noch wiegen die Gefahren, die mit dem Betrieb verbunden sind. In der vergangenen Woche starb der erste E-Rollerfahrer in Paris: Er hatte die Vorfahrt missachtet und wurde von einem Kleinlaster erfasst. Aus Angst vor Bussen und Lastwagen weichen viele auf den Bürgersteig aus – und bringen da andere Menschen in Gefahr. Im April starb in einem Pariser Vorort ein 80-Jähriger, der von einem Roller angefahren wurde.

Die Klagen vor allem der Fußgänger haben den Staat nach rund einem Jahr des Wildwuchses auf den Plan gerufen. In Paris hat die Stadtverwaltung den E-Rollern den Gebrauch der Bürgersteige verboten. Gefahren werden darf nur noch auf Fahrradwegen und Busspuren. Untersagt ist es auch, sich zu zweit auf das Trittbrett zu stellen, was besonders bei Touristen beliebt ist. Doch die Überwachung der neuen Regeln ist schwierig, weil es an Ordnungshütern mangelt.

Dazu kommt der Vandalismus. Nicht alle Anbieter haben ausreichend finanzielle Kraft, um zerstörte Fahrzeuge zu ersetzen, sie aus den Kanälen oder aus dem Wald zu ziehen oder für Nachschub zu sorgen, wenn die Zweiräder gestohlen werden. Ein trübes Bild droht auch in deutschen Städten, wenn die Kommunen nicht von Beginn an durchgreifen. Die Erfahrungen in Paris sollten für die deutschen Städte eine Warnung sein.

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