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12.06.2019

22:37

Kommentar

Pro-Sieben-Sat-1-Aktionäre sollten sich vom Mediaset-Einstieg nicht zu viel versprechen

Von: Hans-Peter Siebenhaar

Die Beteiligung von Mediaset an dem MDax-Konzern ist eine Wette mit offenem Ausgang. Eine langfristige Zusammenarbeit bleibt aber wohl eine Fantasie.

Der MDax-Konzern ist derzeit nur noch 3,5 Milliarden Euro wert. dpa

ProSiebenSat.1 Media SE

Der MDax-Konzern ist derzeit nur noch 3,5 Milliarden Euro wert.

Auch wenn Pier Silvio Berlusconi, Chef von Mediaset und Sohn des früheren Regierungschefs und Medienunternehmens Silvio Berlusconi, gar nicht bei der Hauptversammlung von Pro Sieben Sat 1 anwesend war, stand er dennoch im Mittelpunkt. Denn der Einstieg des italienischen Medienkonzerns bei Deutschlands größtem Fernsehkonzern sorgt für Fantasie bei Aktionären und Analysten.

Pro-Sieben-CEO Max Conze versäumte es auf der Hauptversammlung nicht, sich artig bei Mediaset zu bedanken. Der frühere Dyson-Chef münzte die Beteiligung des Mailänder Medienkonzerns geschickt in einen Vertrauensbeweis hinsichtlich seiner eigenen Konzernstrategie um.

Ein wenig Selbstlob kann nicht schaden, mag sich der 49-Jährige gedacht haben. Tatsächlich haben die Italiener aber ein Schnäppchen gemacht. Denn angesichts des gesunkenen Aktienkurses ist der MDax-Konzern nur noch 3,5 Milliarden Euro wert.

Mediaset sicherte sich für wenig Geld eine strategisch wertvolle Beteiligung. Ein Sitz im Aufsichtsrat für den zweitgrößten Aktionär des deutschen Fernseh- und Internetunternehmens ist nur eine Frage der Zeit. Die Spekulationen über eine enge länderübergreifende Partnerschaft oder gar eine Fusion zwischen Mediaset und Pro Sieben Sat 1 sind freilich nur Fantasien.

Dafür sind die Märkte beider Konzerne – Italien und Spanien versus Deutschland, Österreich und der Schweiz – schlichtweg zu unterschiedlich. Wie schwierig Synergien länderübergreifend zu heben sind, weiß Pro Sieben Sat 1 aus eigener Erfahrung mit seinen früheren Sendern in Benelux und Ungarn.

Schon vor Jahren wurden sie abgestoßen. Die Erleichterung darüber war groß. Selbst wenn es zu einer Zusammenarbeit zwischen Mediaset und Pro Sieben Sat 1 beispielsweise im technischen Bereich oder bei Plattformen kommen sollte, wird das für die Zukunft des Unternehmens nicht entscheidend sein.

Pro Sieben Sat 1 ist heute für seine Aktionäre eine riskante Wette mit offenem Ausgang. Schafft der Fernsehkonzern seine digitale Neuerfindung? Conze ist erfinderisch und mutig. Ein Jahr nach der Übernahme des Chefsessels kämpft er mit seiner neuen Führungsmannschaft bei der digitalen Transformation an vielen Fronten.

Mit der neuen Streamingplattform Joyn wehrt er sich gegen Netflix, Amazon und Co. Mit mehr Eigenproduktionen will er mehr Zuschauer generieren. Mit RTL verbündet er sich bei der individualisierten TV-Reklame. All diese Investitionen als Reaktion auf den sinkenden Fernsehkonsum kosten viel Geld.

Die Aktionäre müssen auf einen großen Teil ihrer Dividende verzichten. Statt verlockender Fantasien ist bei Pro Sieben Sat 1 derzeit große Geduld angesagt.

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