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29.11.2022

10:18

Kommentar

Rekorddividenden sind trotz Rezession und Kurzarbeit das richtige Signal

Von: Ulf Sommer

Auch Sozialpolitiker sollten verstehen: Gewinnausschüttungen sind keine Almosen, sondern die berechtigte Beteiligung der Anteilseigner am Erfolg des Unternehmens.

Die Aktien im Dax befinden sich mehrheitlich in Händen ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich ein Drittel der Wertpapiere. dpa

Dax-Kurve

Die Aktien im Dax befinden sich mehrheitlich in Händen ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich ein Drittel der Wertpapiere.

Skeptiker, Mahner und Sozialpolitiker mögen sich fragen: Wie kann es sein, dass deutsche Konzerne in diesen Zeiten Rekorddividenden ausschütten? In Zeiten, die geprägt sind von Energienotstand und Konjunkturabschwung.

Mit ihren Dividenden von voraussichtlich 54 Milliarden Euro beteiligen die 40 Unternehmen im Dax ihre Anteilseigner im kommenden Frühjahr an den Gewinnen 2022. Diese fallen üppig aus, vermutlich genauso hoch wie im Rekordjahr 2021. Insofern sind rekordhohe Dividenden erst einmal berechtigt.

Richtig ist aber auch, dass die Unternehmen abwägen müssen: zwischen ihren hohen Gewinnen und den heraufziehenden Krisen. Das gilt erst recht für energieintensive Unternehmen wie beispielsweise BASF.

Fest steht: Es wird eine Neuauflage der gesellschaftspolitischen Debatte geben, wie solche Dividenden mit drohender Rezession und Kurzarbeitergeld zusammenpassen. Insofern ist in den Konzernzentralen in den nächsten Wochen viel Umsicht und Vorsicht nötig, wenn es um den Dividendenvorschlag geht.

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    Aber: Dividenden sind keine Almosen, die verschenkt werden, wenn Geld übrig ist. Auf Dividenden haben Aktionäre einen Anspruch, denn ihnen gehört nach dem Erwerb von Aktien ein kleiner Teil des Unternehmens. Angestellte, die Dividenden für Aktionäre als ungerecht empfinden, weil diese nicht in den Firmen arbeiten, haben die Möglichkeit, ebenfalls Anteilseigner zu werden. Oftmals sogar zu vergünstigten Konditionen, die nur Mitarbeitern offenstehen.

    Gesellschaftliche Teilhabe: Die Politik sollte deutschen Aktionären mehr ermöglichen

    Auch Sozialpolitiker sollten wissen: Aktionär an einem Unternehmen zu werden ist eine gute Möglichkeit, nicht nur Reiche, sondern breite Gesellschaftsschichten an den Milliardengewinnen von Siemens, Mercedes, Porsche und Co. teilhaben zu lassen. Das ist die gute Antwort eines modernen Kapitalismus auf den gescheiterten Sozialismus in vielen Staaten: Volkseigentum in Händen von Millionen Aktionären.

    Leider haben deutsche Aktionäre nur wenig davon. Denn die Aktien im Dax befinden sich mehrheitlich, zu 53 Prozent, in Händen ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich ein Drittel der Wertpapiere. Gut 15 Prozent lassen sich geografisch nicht zuordnen.

    Daran etwas zu ändern sollte Aufgabe unserer Politiker sein, anstatt bald womöglich wieder die hohen Gewinnausschüttungen an die Anteilseigner als Gier des Kapitalismus zu brandmarken.

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