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21.08.2019

17:22

Kommentar

Risikofaktor Pfund: Es droht ein Schrecken ohne Ende

Von: Jan Mallien

Um die britische Wirtschaft im Falle eines harten Brexits zu schützen, müsste die Notenbank die Zinsen senken. Das könnte viele Investoren vergraulen.

Seit Anfang Mai hat das Pfund um rund sieben Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. dpa

Britische Pfund-Münzen und -Noten

Seit Anfang Mai hat das Pfund um rund sieben Prozent gegenüber dem Euro abgewertet.

Der Antrittsbesuch des britischen Premierministers Boris Johnson in Berlin am Mittwoch stand unter schwierigen Vorzeichen. Bereits im Vorfeld hat Bundeskanzlerin Merkel seiner Forderung zu Nachverhandlungen des Austrittsabkommens mit der EU eine deutliche Absage erteilt.

Die Fronten bei den Verhandlungen sind verhärtet, und die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits ist hoch. Das hat in den vergangenen Wochen bereits dem britischen Pfund zugesetzt. Seit Anfang Mai hat es um rund sieben Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. Zuletzt stabilisierte sich der Wechselkurs aber etwas.

Das Risiko weiterer Verluste bleibt dennoch hoch. Was in der Debatte zu kurz kommt: Großbritannien hat einige gravierende strukturelle Schwächen, über die Investoren bislang hinwegschauen. Ein harter Brexit könnte sie viel stärker in den Fokus rücken – und das Pfund noch mehr unter Druck setzen.

So schreibt Großbritannien seit Jahren hohe Defizite im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Bislang ließ sich das Leistungsbilanzdefizit durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland kompensieren. Im Falle eines harten Brexits aber wird das viel schwerer. Um einen stärkeren Absturz der Wirtschaft zu verhindern, müsste die britische Notenbank eigentlich die Zinsen senken.

Die Gefahr wäre dann, dass internationale Investoren wegen der geringeren Renditen Kapital von der Insel abziehen. Ähnlich wie in manchen Schwellenländern mit hohen Leistungsbilanzdefiziten droht Großbritannien dann eine stärkere Pfund-Abwertung und höhere Inflation.

Hinzu kommt: Auch die politischen Verhältnisse wären nach einem harten Brexit weiter kompliziert. Auf der einen Seite ist die tief zerstrittene Konservative Partei – auf der anderen Seite die Labor-Partei, deren Chef Jeremy Corbyn bekennender Sozialist ist und als Schrecken der Märkte gilt. Wer einen harten Brexit als Ende mit Schrecken sieht und glaubt, dass danach alles nur besser werden kann, liegt falsch. Wahrscheinlicher ist ein Schrecken ohne Ende.

Mehr: In Großbritannien droht ein No-Deal-Szenario. Das belastet auch den Anleihemarkt. Viele Händler erwägen nun London zu verlassen.

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