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03.09.2019

10:05

Kommentar

Ryanair droht seine Rolle als Revolutionär am Himmel zu verlieren

Von: Jens Koenen

Mit ihrem Umbau folgt die irische Billig-Fluggesellschaft bekannten Strategien. Dadurch ist Ryanairs Geschäftsmodell in Gefahr.

Der Umbau birgt große Gefahren, meint Handelsblatt-Reporter Jens Koenen. dpa

Ryanair-Logo

Der Umbau birgt große Gefahren, meint Handelsblatt-Reporter Jens Koenen.

Ryanair hat den europäischen Luftverkehrsmarkt auf den Kopf gestellt. Keine andere Fluggesellschaft hat die Branche in den zurückliegenden 20 Jahren so sehr geprägt wie der irische Billiganbieter. Die Frage ist allerdings, wie lange die Airline noch die Rolle des Revolutionärs am Himmel einnehmen kann?

Der Umbau, den der wortgewaltige Airlinechef Michael O‘Leary vorgenommen hat, birgt eine große Gefahr: Die Komplexität des Betriebs steigt mit der rasanten Expansion. Aber Komplexität ist Gift für jede Billigairline.

Vier Flugbetriebe gibt es mittlerweile unter dem Dach der Ryanair-Holding. Die Strategie ist klar. Zieht eine Airline beim Thema Kosten nicht so mit, wie es das Management will, wird damit gedroht, dass eine andere die Strecken übernimmt. Da Ryanair-Piloten in der Regel nach geflogenen Stunden bezahlt werden, ist das ein durchaus wirksames Instrument.

Allerdings könnte der Preis dafür sehr hoch sein. Vier Flugbetriebe effizient zu steuern ist eine hochkomplexe Managementaufgabe. Zudem stellt sich die Frage, ob sich die Belegschaft gegeneinander ausspielen lässt. Eine Zeit lang mag das Kalkül aufgehen.

Dass es nicht einfach ist, die Interessen der einzelnen nationalen Gewerkschaften zu bündeln, haben die Tarifstreitigkeiten bei Ryanair in den zurückliegenden zwei Jahren gezeigt. Aber die spürbare neue Härte der Ryanair-Spitze gegenüber der Belegschaft dürfte die Belegschaften wieder enger zusammenschweißen.

Hinzu kommt: Bisher konnte sich Ryanair darauf verlassen, dass die Piloten die Airline nach recht kurzer Zeit wieder verlassen und zu einer anderen mit besseren Konditionen wechseln. Der stete Nachschub an jungen Flugzeugführern garantierte auch niedrige Kosten.

Das ist vorbei. Weil die Airline nach heftiger Kritik in vielen Ländern dazu übergegangen ist, die Flugzeugführer meist fest anzustellen, statt sie über Scheinselbstständigkeit zu beschäftigen, bleiben die Piloten nun länger.

Zudem hat die Billig-Airline an anderer Stelle zu kämpfen. Ein ungeregelter Ausstieg Großbritanniens aus der EU wird immer wahrscheinlicher – mit unabsehbaren Folgen für den Luftverkehr. Auch bleibt ungewiss, wann die Boeing 737 Max wieder abheben darf. Ryanair setzt ausschließlich auf dieses Flugzeugmuster und hat große Hoffnungen in die modernisierte Version des Flugzeugs gesetzt.

All das rüttelt am Geschäftsmodell. Europas führende Billig-Fluggesellschaft verliert wichtige Stellschrauben, um das Wachstum selbst zu steuern. Der Geschäftserfolg hängt zunehmend von externen Faktoren ab, etwa vom Treibstoffpreis. Am Ende könnte aus dem einstigen Pionier eine Airline wie jede andere werden.

Mehr: Michael O’Leary hat die operative Führung an Personalchef Eddie Wilson übergeben – ein weiteres Zeichen für eine neue Härte gegenüber der Belegschaft.

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