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13.05.2022

11:07

Kommentar

Schluss mit dem Oligopol bei Container-Reedereien

Von: Christoph Schlautmann

Weil das Kartellamt nicht handelt, will jetzt US-Präsident Biden das Oligopol der globalen Reedereien brechen. Zu Recht: Auch sie treiben die Inflation weiter in die Höhe.

Oligopol auf den Weltmeeren. IMAGO/Markus Tischler

Containerfrachter der Allianzpartner Hapag-Lloyd und HMM im Hamburger Hafen

Oligopol auf den Weltmeeren.

Jahrelang drückten die Kartellbehörden beide Augen zu. Nahezu ungehindert schluckte Weltmarktführer Maersk die mächtige deutsche Reederei Hamburg Süd, Hapag-Lloyd verleibte sich die Wettbewerber CSAV und UASC ein, die drei größten Schiffsbetreiber Japans schlossen sich zur Reederei ONE zusammen. In China war es die Staatsführung selbst, die dem Schiffsbetreiber eine nationale Monopolstellung verschaffte.

Die Konsequenzen der Fusionswelle, die in den vergangenen sechs Jahren die Hälfte aller globalen Linienreedereien verschwinden ließ, lesen sich wie im Lehrbuch. Die neun größten Schifffahrtsbetriebe besitzen heute einen Weltmarktanteil von 82,8 Prozent, während sich vor der Jahrtausendwende noch 20 von ihnen kaum die Hälfte der globalen Containertransporte teilen mussten.

Der beschädigte Wettbewerb dürfte den Reedereien 2021 geholfen haben, ihre Nettogewinne zu vervielfachen – bei Hapag-Lloyd, Maersk und CMA CGM wuchsen sie etwa um den Faktor zehn. Die Zeche zahlten die Importeure. Der Durchschnittspreis einer 40-Fuß-Stahlbox von Fernost nach Nordeuropa kletterte innerhalb von zwei Jahren von unter 2000 auf zeitweise über 15.000 Dollar.

Die unliebsamen Auswirkungen der laschen Fusionskontrolle alarmieren inzwischen sogar US-Präsident Joe Biden. Im Kongress drängt er seit März auf ein Gesetz, das seiner Federal Maritime Commission eine schärfere Fusionskontrolle erlaubt. Mit ihr gedenkt die US-Regierung, die hohen Inflationsraten zu bekämpfen.

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    Die Hoffnungen sind berechtigt. Fünf bis neun Prozent der Produktkosten für importierte Sofas, Spielwaren oder Heimtrainer, schätzen Branchenexperten, stecken in der Logistik. Preissprünge im Seetransport landen damit unweigerlich an der Ladenkasse.

    Insbesondere Reederei-Kooperationen will Biden unter Beobachtung stellen – aus naheliegendem Grund: Noch vor fünf Jahren erlaubten weltweit die Kartellbehörden, als wäre die Marktbeherrschung von neun Reedereien nicht schon Oligopol genug, dass sich diese auch noch zu drei globalen Allianzen zusammenschlossen.

    Tatsächlich aber lauern die Kartellgefahren längst woanders. Während Fusionen und Zusammenschlüsse mangels Masse kaum noch zu befürchten sind, verlagern die finanzkräftigen Schiffskonzerne ihre Zukäufe längst in die Vertikale. Mit Milliardensummen greifen sie nach Speditionen, Lagereien und E-Commerce-Dienstleistern.

    Nicht einmal mehr Airlines wie die Lufthansa oder die Alitalia-Nachfolge-Gesellschaft Ita Airways sind vor ihnen sicher. Wettbewerbshüter sollten davor nicht noch einmal die Augen verschließen. Schließlich könnten vor allem mittelständische Konkurrenten ausgebootet werden.

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