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11.01.2019

18:48

Die meisten innerhalb und außerhalb der Bank glauben, dass Christian Sewing Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist. dpa

Deutsche-Bank-Chef Sewing

Die meisten innerhalb und außerhalb der Bank glauben, dass Christian Sewing Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist.

Kommentar

Sewings Handlungsspielraum schrumpft mit jedem neuen Rückschlag

Von: Michael Maisch

Die Deutsche Bank steht erneut vor einem schwierigen Jahr. Auch weil der strategische Spielraum immer kleiner wird.

Gerade hat die Deutsche Bank ihre traditionelle Tournee von Neujahrsempfängen quer durch die Republik gestartet. An den wichtigsten Standorten von Berlin bis Frankfurt suchen die Top-Manager des Geldhauses die Nähe zu Kunden und Politik.

Sollte Vorstandschef Christian Sewing nach dem turbulenten Jahr 2018 noch ein Motto fehlen, würde sich ein Bonmot von Wilhelm Busch anbieten: „Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft.“

Die Investoren würden sich nach dem Absturz an der Börse aber wohl eher für ein Neujahrszitat des Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg entscheiden: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“

Bleibt die Frage, wie es anders werden kann. Das größte Problem von Sewing und seiner Mannschaft ist, dass ihr Handlungsspielraum mit jedem neuen Rückschlag ein Stück weiter schrumpft, und Rückschläge gab es auch 2018 wieder reichlich.

Die meisten Alternativen zur aktuellen Strategie sind teuer, die Bank kann sie sich im Moment schlicht nicht leisten. Positiv ausgedrückt heißt das, Sewing muss weiter versuchen, die Anleger zu überzeugen, dass die aktuelle Strategie trotz aller Hindernisse auf dem langen Weg doch noch zum Erfolg führt.

Die negative Version dieser Botschaft lautet: Der Bank bleibt nichts anderes übrig, als sich weiter durchzuwursteln. Das wird in diesem Jahr allerdings nicht einfacher als 2018, denn die Sorgen um die Konjunktur wachsen, was auch heißt, dass die erhoffte Zinswende in Europa wohl verschoben wird.

Derzeit kämpft die Bank mit einer ziemlich unangenehmen Mischung aus schrumpfenden Einnahmen und steigenden Finanzierungskosten – je länger das so bleibt, desto wahrscheinlicher und desto schneller wird die viel diskutierte Fusion mit der Commerzbank kommen.

Grafik

Wer wissen will, wie es im Moment um die Deutsche Bank bestellt ist, der muss sich nur eine einzige Kennzahl anschauen: Das Verhältnis der Marktkapitalisierung zur Bilanz.

Der sogenannte Price to Book Value ist vielleicht das wichtigste Maß für das Vertrauen der Investoren in ein Geldhaus. Ein Wert über eins signalisiert Solidität, ein Wert darunter latentes Misstrauen.

Nach dem Absturz an der Börse ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis des größten heimischen Geldhauses auf kümmerliche 0,23 geschrumpft. Diese Zahl ist ein klares Indiz dafür, dass sich die Investoren ernsthafte Sorgen machen, ob Sewings Sanierungskurs wirklich zu einem tragfähigen Geschäftsmodell führt.

Auch die Kunden werden misstrauischer. Die Razzia der Staatsanwaltschaft kurz vor Jahresschuss hat die Bank nicht nur Reputation sondern auch Geld gekostet, weil sich viele Großkunden danach offenbar erst einmal vornehm zurückhielten.

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Trotzdem gibt es eine gute Nachricht für Sewing: Die meisten innerhalb und außerhalb der Bank glauben, dass er Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist. Seine Strategie, die Bank einfacher, schlanker und effizienter aufzustellen, ist richtig, auch wenn die Frage bleibt, ob die Schnitte radikal genug ausfallen.

Sewing hat ein Team von Vertrauten um sich geschart, die die Bank seit Jahren kennen, und die wissen an welchen Stellschrauben sie drehen müssen, damit schmerzhafte Entscheidungen auch wirklich umgesetzt werden. Und der neue Chef hat jungen Managern, die in der Bank Karriere gemacht haben, Verantwortung übertragen, statt auf teure Einkäufe von außen zu setzen, die sich in der Vergangenheit nur all zu oft als Flops erwiesen.

Die schlechte Nachricht lautet allerdings, dass ein einzelner Manager mit einem noch so motivierten Team nicht innerhalb von ein paar Quartalen all die Fehler und Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnts ausbügeln kann. Vor allem, wenn ständig neue Rückschläge, die erreichten Fortschritte zunichte zu machen drohen.

Strategische Optionen gäbe es durchaus, zum Beispiel härtere Einschnitte ins Geschäftsmodell wie ein konsequenterer Rückzug aus den USA. Oder die radikalere Variante, eine Aufspaltung in ein Privatkundeninstitut und eine internationale Investmentbank.

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Das Problem an all diesen Vorschlägen: Sie kosten erst einmal wertvolles Kapital, das die Bank derzeit nicht hat, und das sie sich auch kaum besorgen kann. Denn nach den brutalen Kursverlusten der vergangenen Monate und Jahre ist es völlig illusorisch, dass die Investoren der Bank freiwillig noch einmal frisches Geld zur Verfügung stellen.

Ohne Kapitalerhöhung wäre übrigens auch eine Übernahme der Commerzbank kaum möglich. Aber anders als bei den übrigen strategischen Optionen könnten die Investoren diese Großfusion als Befreiungsschlag aus der Dauerkrise werten.

Außerdem könnte der deutsche Staat, der nach der Rettungsaktion vor zehn Jahren bereits an der Commerzbank beteiligt ist, bei einer Kapitalerhöhung mitmachen. Eine Traumehe wäre das allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht, eher schon eine aus purer Not geborene Zwangsheirat.

Kommentare (2)

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Herr Andre Peter

11.01.2019, 19:19 Uhr

Die aktuellen Bonuszahlungen betragen 13% der Marktkapitalisierung.

Welcher Unternehmer schenkt 13% seines Unternehmens an Mitarbeiter, die jahrelang keine Gewinne erzielen?

Ein guter Rat wäre: "Die Boni dürfen maximal 50% des Gewinnes betragen".

Herr Andre Peter

11.01.2019, 19:42 Uhr

"Kurs-Buchwert-Verhältnis des größten heimischen Geldhauses auf kümmerliche 0,23 geschrumpft. "
Warren Buffet würde sagen: "Für 23 Cent kann man einen Euro kaufen!"

Leider ist der gesamte Artikel viel zu negativ für die Deutsche Bank - schließlich geht Herr Sewing den richtigen Weg und kürzt die Boni - würde ich auch tun, nur deutlich massiver!

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