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31.03.2020

14:52

Kommentar

Starke Unternehmen müssen jetzt den schwachen helfen

Von: Jürgen Flauger

In der Coronakrise ist auch und besonders unter den Firmen Solidarität gefragt. Es gibt ermutigende Beispiele wie Zalando, aber auch einige schlechte.

Der Online-Modehändler hat wegen der Coronakrise seine Prognose kassiert. Reuters

Zalando-Mitarbeiter

Der Online-Modehändler hat wegen der Coronakrise seine Prognose kassiert.

In diesen Tagen sind Gewinnwarnungen wahrlich nichts Außergewöhnliches. Die Erklärung des Online-Modehändlers Zalando dazu an diesem Dienstag ist aber gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert.

Zum einen ist selbst der Handel im Netz nicht vor der Coronakrise gefeit. Den Kunden scheint die Lust am Shoppen vergangen zu sein, selbst im noch geöffneten Internetshop. Zalando erwartet für das erste Quartal einen bereinigten Betriebsverlust von deutlich mehr als 28 Millionen Euro und kassiert die Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Zum anderen kommt Zalando trotzdem den noch viel härter gebeutelten stationären Händlern entgegen, die ihre Ware über die Zalando-Plattform auch online verkaufen. Bis Ende Mai müssen neue wie auch bestehende Partner keine Kommission bezahlen. Zusätzlich will Zalando 100 Millionen Euro einsetzen, um Partner vor der vertraglich vereinbarten Frist zu bezahlen, damit diese liquide bleiben.

Das wird die Nöte der betroffenen Händler zwar nur ein wenig abmildern. Es ist aber ein positives Zeichen, von denen wir in diesen Tagen mehr brauchen.

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    Die Coronakrise stellt nicht nur das gesellschaftliche Leben vor gewaltige Herausforderungen, sondern auch die Wirtschaft im Speziellen. Viele Unternehmen, vor allem kleine und mittelständische Betriebe, kämpfen um ihre Existenz.

    In dieser außergewöhnlichen Situation ist Solidarität gefragt. Das müssen wir im Privatleben Tag für Tag praktizieren. Die Ausgangsbeschränkungen, die uns ins Homeoffice zwingen und unser Leben einschränken, sollen vor allem die Schwachen schützen, für die eine Infektion mit dem Coronavirus tödlich verlaufen könnte.

    Ermutigende Beispiele

    Solidarität ist aber auch im Wirtschaftsleben wünschenswert. Finanzstarke Unternehmen sollten beispielsweise die Liquidität ihrer Lieferanten und Kunden im Blick behalten: selbst pünktlich zahlen und großzügig bei eigenen Rechnungen sein.

    Natürlich ist fast jedes Unternehmen von der Coronakrise betroffen. Auch wenn nur ganz wenige Branchen von der aktuellen Entwicklung profitieren, ist nicht jedes andere Unternehmen gleich in seiner Existenz bedroht. Starke Unternehmen sollten schwache Geschäftspartner unterstützen.

    Es gibt ermutigende Beispiele, Zalando ist nur eines davon. Es betrifft große, noch immer starke Unternehmen.

    Siemens-Chef Joe Kaeser etwa versprach, bei Kunden, die in Schwierigkeiten geraten, großzügig zu sein, und rief per Twitter nachdrücklich zu Solidarität auf: Die aktuelle Situation sei „gewaltig“ und „erst der Anfang“. „Wir müssen näher zusammenrücken, während wir Abstand halten“, forderte der Siemens-Chef.

    Auch Mittelständler geben derzeit ihr Bestes. Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht beispielsweise ist selbst schwer getroffen, versucht, unter anderem mit Kurzarbeit die eigene Liquidität zu sichern.

    Trotzdem schnürt das Familienunternehmen in der Buchhandelskooperation „Mensch“ mit über 200 Buchhandlungen gerade ein Paket, um den Buchhändlern zu helfen, diese Krise zu überstehen. Unter anderem sollen Zahlungsziele großzügig ausgelegt werden.

    Andererseits sollten Nothilfen vorrangig von wirklich notleidenden Unternehmen in Anspruch genommen werden.

    Die Ankündigung von Adidas, Mietzahlungen für Geschäftslokale auszusetzen, war deshalb nicht nur ungeschickt, sondern auch ärgerlich. Natürlich hat die Bundesregierung in ihrem Maßnahmenpaket Mietern genau diese Möglichkeit eröffnet – und natürlich steht auch einem Unternehmen wie Adidas diese Möglichkeit offen.

    Verantwortungsvoller Umgang mit Maßnahmen

    Tatsächlich zielt die Bundesregierung auf Händler, die in ihrer Existenz bedroht oder durch die Pandemie in eine ernste Schieflage geraten sind. Das trifft viele kleine Einzelhändler und durchaus manche namhafte Filialkette.

    Der Weltkonzern Adidas, der in den vergangenen Jahren regelmäßig Rekordgewinne verbuchte, fällt aber nicht in diese Kategorie – und ein Unternehmen wie Adidas hatte die Politik gewiss nicht im Sinn.

    In diesen außergewöhnlichen Zeiten ergreift die Politik viele außergewöhnliche Maßnahmen. Sie ist entschlossen, die Folgen für die Wirtschaft bestmöglich abzufedern. Das ist richtig und wichtig. Die Unternehmen müssen verantwortungsvoll damit umgehen.

    Das gilt besonders dann, wenn das eigene Handeln Auswirkungen auf andere Unternehmen hat. Und das hat es in einer so hochvernetzten Ökonomie eigentlich immer.

    Dabei geht es um Solidarität, aber nicht nur. Es geht auch um langfristige Geschäftsbeziehungen und den eigenen Ruf. Die Coronakrise mag heftig sein und noch länger dauern, aber es wird auch eine Zeit nach ihr geben.

    Dann sind all jene Unternehmen, die vergleichsweise gut durch die Krise kommen sind, auf Kunden, Geschäftspartner und Zulieferer angewiesen. Wer jetzt Solidarität beweist, wird auf lange Sicht davon wirtschaftlich profitieren.

    Mehr: Bis zu 14.000 Euro für Kleinunternehmen – wie der Antrag auf Corona-Geld funktioniert.

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