MenüZurück
Wird geladen.

12.06.2019

21:25

Kommentar

Telekom-Chef Höttges muss die Magenta-Blase platzen lassen

Von: Stephan Scheuer

5G, Sprint-Fusion und geplatzter IBM-Deal: Der Bonner Dax-Konzern hat derzeit viele Baustellen. Vorstandsvorsitzender Höttges sollte mehr zuhören statt zu kritisieren.

Der Chef der Deutschen Telekom muss derzeit mehrere Probleme lösen. dpa

Timotheus Höttges

Der Chef der Deutschen Telekom muss derzeit mehrere Probleme lösen.

Europas größter Telekommunikationsanbieter steckt in einer schwierigen Situation. Sein CEO Timotheus Höttges sollte dies für eine Neubewertung nutzen. Es zeigt sich, dass sich die Telekom zu oft nur in ihrem eigenen Dunstkreis bewegt.

Höttges sollte daraus ausbrechen, um ein besseres Gespür für die Stimmung in Politik und Industrie zu gewinnen. Denn statt ein offenes Ohr für externe Kritik zu haben, feiert sich das Unternehmen mit der Markenfarbe Magenta zu oft selbst.

Mehr Gespür ist etwa in den USA gefragt, einem sehr bedeutsamen Markt für den Konzern, denn dort macht die Telekom mittlerweile mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Die Fusion von T-Mobile US mit Sprint ist strategisch extrem wichtig: Der Deal könnte Synergien in Höhe von 43 Milliarden Dollar bringen, etwa durch die Bündelung der Kräfte für den teuren Netzausbau.

Schon zweimal hat die Telekom vergeblich Anlauf für den Zusammenschluss genommen. Noch nie ist sie so weit gekommen wie dieses Mal. Die in dieser Woche angekündigte Klage von Generalstaatsanwälten aus zehn Bundesstaaten ist ein Rückschlag, denn dies könnte ein langes juristisches Nachspiel haben.

Der Deal ist aber noch lange nicht gescheitert. Es ist offensichtlich, dass die Staaten die Klage dafür nutzen wollen, die Firmen zu Zugeständnissen zu drängen. Gleichzeitig versuchen die dortigen Politiker, ihr Profil mit Blick auf die im November 2020 anstehende Präsidentschaftswahl zu schärfen.

Die Demokraten positionieren sich als Gegner mächtiger Großkonzerne. Eine Zerschlagung von Tech-Giganten wie Google und Facebook steht im Raum. Da können sie es nicht kritiklos zulassen, wenn es eine große Fusion auf dem Mobilfunkmarkt gibt.

US-Wahlkampf könnte Einfluss auf Fusion haben

Die Telekom droht in den Machtkampf zwischen Demokraten und Republikanern zu geraten. Doch ohne sich nur auf eine Seite zu schlagen, könnte sich T-Mobile US kompromissbereit zeigen.

Eine der treibenden Kräfte aufseiten der Demokraten ist die Branchengewerkschaft CWA. Die Arbeitnehmervertreter drängen auf Jobgarantien. Und sie wollen die Chance nutzen, mehr Angestellte von T-Mobile US zu Mitgliedern zu machen, was derzeit nur schwer möglich ist. Die Telekom sollte das als Chance und nicht als Gefahr begreifen. Nicht umsonst bietet die Gewerkschaft eine Unterstützung für den Deal an, sollte die Telekom auf ihre Forderungen eingehen.

Mit mehr Gespür sollte die Telekom auch in Deutschland vorgehen. Es war falsch, die Politik für ihre Forderungen nach einem schnellen und breiten Ausbau von 5G so aggressiv zu kritisieren. Höttges erklärte mit erhobenem Zeigefinger, dass weder die Politik noch die Industrie wirklich die 5G-Technik verstanden hätten. Das war nicht clever.

Statt sich an der Diskussion zu beteiligen, ob jede Milchkanne 5G benötigt, hätte der CEO besser eine Debatte über die Verteilung der Kosten anstoßen sollen. Ganz nach dem Motto: Die Telekom ist bereit, alles mit 5G zu versorgen, wenn die Kosten gerecht verteilt werden.

Ähnlich geht es nun im Umgang mit der 5G-Auktion weiter. Immer wieder hat die Telekom die Politik und die Netzagentur als zuständige Behörde für die Rahmenbedingungen für die Frequenzvergabe kritisiert. Es stimmt, dass die Behörde Fehler gemacht hat.

Doch die Telekom sollte sich hüten, die Netzagentur oder die Politik frontal zu attackieren, sondern versuchen, pragmatische Lösungen zu finden. Die 5G-Auktion läuft mit zwölf Wochen bereits so lange wie keine Versteigerung zuvor. Sie endet nicht schneller, nur weil sich die Telekom in Berlin über die Bundesnetzagentur beschwert.

Der Telekom fehlt in einigen Debatten das nötige Feingefühl für die Stimmung im politischen Berlin. Tritt der Dax-Konzern weiter mit erhobenem Zeigefinger auf, droht die Stimmung zu kippen. In diesem Jahr steht die Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes an. Passt die Telekom nicht auf, werden Politiker die Novelle nutzen, um das Geschäft des Konzerns stärker zu regulieren.

Höttges sollte hinhören, statt zu belehren. Das wird ihm in Deutschland leichter gelingen. Hier ist der Konzern gut aufgestellt und bestens verdrahtet. In den USA wird es deutlich schwieriger werden – besonders wenn das Unternehmen zwischen die Fronten des US-Wahlkampfs gerät.

Aber auch dort hat Höttges die Chance, mit Bedacht auf alle Seiten einzugehen. Die Telekom braucht jetzt einen feinfühligen Moderator und keinen aggressiv auftretenden Chef. Höttges kann beide Rollen – er muss sie nur zur richtigen Zeit spielen.

Mehr: Eine Gruppe von Bundesstaatsanwälten hat juristische Schritte gegen die Übernahme von Sprint durch T-Mobile US eingereicht. Das wichtigste Projekt der Telekom gerät in Gefahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×