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09.02.2021

11:19

Kommentar

Teslas Einstieg in Bitcoin ist smart und unverantwortlich zugleich

Von: Thomas Jahn

PremiumElon Musks Investition in die Kryptowährung ist eine riskante Entscheidung. Sie verärgert manche Anleger, ist aber geschicktes Marketing.

Der Visionär geht bei seinen Investments gerne Risiken ein. Reuters

Tesla-Chef Elon Musk

Der Visionär geht bei seinen Investments gerne Risiken ein.

Gary Black verkauft seine Tesla-Aktien. Der in den USA bekannte Vermögensverwalter war im August 2019 bei dem Elektroautobauer eingestiegen und hat damit viel Geld verdient. Aber nun steigt er aus verschiedenen Gründen aus. Einer davon: die Kapitalallokation von Tesla. Damit meint Black die Entscheidung des Elektroautoherstellers, 1,5 Milliarden Dollar seines Bargelds in Bitcoin anzulegen. Auch soll man künftig seinen neuen Tesla mit der Kryptowährung bezahlen können.

Als erstes größeres globales Unternehmen spricht Tesla damit der Kryptowährung sein Vertrauen aus. Der prompt folgende Kurssprung von Bitcoin sagt alles über die große Bedeutung der Entscheidung aus.

Aus vielerlei Gründen ist die Idee von Elon Musk der helle Wahnsinn. Der Tesla-Chef geht ein unnötiges Risiko ein in einem Geschäft, das an sich schon mit hohen Risiken behaftet ist. Autos zu bauen ist kapitalintensiv, moderat lukrativ und stark von der Konjunktur abhängig.

Tesla hat derzeit einen Lauf, aber das kann sich in den kommenden Jahren jederzeit ändern. Wenn sich Investoren über Produktqualität, Absatzzahlen oder Softwareentwicklung sorgen müssen, dann wollen sie sich nicht auch noch mit den Chancen und Risiken von Bitcoin auseinandersetzen müssen.

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    Aber die Aktion von Musk kann man auch anders sehen. Tesla ist seit seiner Gründung vor fast 20 Jahren immer ganz vorne im Zeitgeist gewesen. Klimawandel, Elektromobilität und nachhaltige Energie sind allerdings kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Andere Start-ups gehen in den Markt, und selbst klassische Autokonzerne wie Volkswagen treiben die Elektromobilität voran.

    Mit dem Investment in Bitcoin erhält Tesla jetzt jede Menge kostenloser Werbung. Bitcoin-Fans sind im Schnitt jung und technologisch ausgerichtet – und ab sofort auch Tesla-Fans.

    Ablenkung von eigenen Problemen

    Musk spricht ein Kernproblem der Branche an: Jüngere Menschen interessieren sich weniger für Autos. Umfragen zeigen das immer wieder. Den Herstellern droht auf Jahrzehnte eine wichtige, weil immer kaufkräftigere Klientel wegzubrechen. Für junge Menschen bedeuten Marken weniger, die Technik des Fahrzeugs wird weniger am Motor als am Infotainment gemessen.

    Genau diese Zielgruppe erreicht Musk. Auf die zahlt er auch ein, wenn er sich in die Spekulationen der „Wallstreetbets“-Generation einmischt und den Kurs von Aktien wie Gamestop hochjagt. Dann jubeln ihm vor allem junge und begeisterungsfähige Menschen zu. Dahinter steckt nicht unbedingt Berechnung von Musk, sondern seine Persönlichkeit. Gamestop ist eine Videospielladenkette in den USA, Musk liegt sie als Gaming-Fan am Herzen.

    Nützlicher Nebeneffekt: Alle Welt spricht über den Einstieg von Tesla in Bitcoins, kaum jemand über die Probleme in China. Tesla musste dort Vertreter zu fünf verschiedenen Behörden senden, um sich Vorwürfe über die mangelhafte Qualität der Fahrzeuge anzuhören. Chinesische Kunden hatten sich über unerwartete Beschleunigung ihrer Fahrzeuge und Probleme mit Software-Updates beschwert.

    Derart einbestellt zu werden, das ist in China eine unerhörte Sache. Wie gravierend das ist, konnte man an der Entschuldigung von Tesla China ablesen: Man werde „tief gehend über seine Unzulänglichkeiten reflektieren“. Das ist eine deutlich andere Tonlage als die von Elon Musk, die er gegenüber der US-Börsenaufsicht, den kalifornischen Behörden am Standort seiner Fabrik oder der US-Verkehrsaufsicht anschlägt.

    PR-Maschine Elon Musk

    Aber wer spricht derzeit über die Rückrufe in China, den Ärger mit den Behörden im wichtigsten Automarkt der Welt? Auf keinen Fall die Aktionäre, die im Bitcoin-Investment einen weiteren Katalysator für den Kurs sehen. Der Börsenwert von Tesla stieg am Tag der Bitcoin-Verkündigung – und des China-Debakels – um mehr als zehn Milliarden Dollar.

    Das Risiko von Bitcoin-Investments ist hoch, der Kurs schwankt oft stark. Aber man kann das auch anders sehen. Musk setzt mit 1,5 Milliarden Dollar viel Geld aufs Spiel. Aber Tesla kann es sich leisten, es hat derzeit mehr als 19 Milliarden Dollar an Barreserven.

    Auch gibt Volkswagen jedes Jahr ungefähr die gleiche Summe für Marketing und Werbung aus, die Tesla jetzt mit Bitcoin riskiert. Die Kalifornier haben noch nie einen Dollar für ein offizielles Werbebudget ausgegeben. Marketingchef und PR-Maschine ist Musk, der mit ein paar Tweets zu „Wallstreetbets“ oder Bitcoin eine ungeheure Aufmerksamkeit erzielt. Und wer weiß: Vielleicht gehört Bitcoin ja wirklich die Zukunft.

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