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06.05.2019

15:41

Kommentar

Trump begeht mit seiner Iran-Politik einen fatalen Fehler

Von: Mathias Brüggmann

Die USA erhöhen weiter den Druck auf den Iran. Doch sie scheint nicht aus der Geschichte Persiens gelernt zu haben: Dort lässt sich keine Regierung von außen kippen.

Die USA lassen den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und eine Bomberstaffel in den Mittleren Osten verlegen. dpa

US Flugzeugträger

Die USA lassen den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und eine Bomberstaffel in den Mittleren Osten verlegen.

„Kanonenbootpolitik“ ist ein Begriff aus den unseligen Zeiten des Imperialismus. Doch ausgestorben scheint weder der Begriff noch diese Politik zu sein. Betrieben wird sie aktuell von US-Präsident Donald Trump, der einen Flugzeugträger und Bomber in den Persischen Golf verlegen lässt.

Damit will Washington die Pläne von Erzfeind Iran vereiteln, auf das US-Embargo gegen das Land mit einer Blockade der für den weltweiten Ölhandel so wichtigen Straße von Hormus zu antworten. Trump ist wild entschlossen, einen „Regime-Change“ in Persien zu erzwingen.

Er hat allen iranischen Ölkunden mit harten Sanktionen gedroht, sollten sie weiter iranisches Rohöl kaufen. Damit will er Teheran finanziell austrocknen und den Volkszorn gegen die islamische Führung anheizen. Nichts gelernt aus der Kanonenbootpolitik dunkler Zeiten, nichts gelernt aus den irrwitzigen Regime-Change-Aktionen von George W. Bush im benachbarten Irak.

Und vor allem nichts gelernt aus der Geschichte Persiens. Von außen lassen sich dort keine Regierungen kippen. Im Gegenteil: Seit Monaten brodelt es heftig im bevölkerungsreichsten Golfstaat. Frauen werfen ihre Schleier ab, Jugendliche proben zivilen Ungehorsam, die Wirtschaft liegt am Boden.

Die Hardliner in Teheran mussten immer mehr persönliche Freiheiten als Kompensation für die ökonomische Tristesse gewähren. Da kommt ihnen der Angriff von außen gerade recht. In solchen Zeiten sammelt sich das Volk immer um die Führung. Und sollte es das nicht freiwillig tun, könnte mit dem Verweis auf die Konfrontation mit dem Erzfeind USA wieder brutal durchgegriffen werden.

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Der Leitsatz des US-Präsidenten – America first – gilt offenbar auch bei der Durchsetzung von Handelssanktionen: Bei Unternehmen aus dem eigenen Land ist man deutlich nachsichtiger als bei europäischen.

Der Mittlere Osten hat sich von den durch Bush junior angerichteten Verheerungen bis heute nicht richtig erholt. Islamistische Terroristen halten die Region bis weit nach Nordafrika in Atem, da macht Trump mit dem Iran und seiner aberwitzigen Israelpolitik neue Fronten in der (bürger)kriegserschütterten Region auf. Es ist aber leider kein Ende des Irrsinns in Sicht.

Kommentare (1)

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Herr Hans Henseler

09.05.2019, 11:31 Uhr

Guter Kommentar. Langsam kommen unsere Medien auf den Boden der Realitaet zurueck.
Wie gestern auch im ZDF. Mein Vater sagte: Es gibt keinen Schaden so gross, dass er auch
nicht ein wenig Nutzen bringen wuerde.

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