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03.01.2019

04:50

Kommentar

Trump läutet seinen eigenen Niedergang ein

Von: Annett Meiritz

Der US-Präsident sieht sich mit wachsenden Widerständen konfrontiert. Und er ist ein schlechter Krisenmanager. An seiner Misere ist er selbst schuld.

Donald Trump läutet seinen eigenen Niedergang ein – ein Kommentar Reuters

Donald Trump

Der US-Präsident kommt mit seinen alten Strategien nicht mehr weiter.

WashingtonIm Volksmund heißt es scherzhaft, manche Haustiere hätten sieben bis neun Leben. Unkaputtbar seien sie, aber eher durch Glück als Verstand. Träfe dies für Spitzenpolitiker zu, wäre Donald Trump der prominenteste Vertreter seiner Gattung. Im Laufe seiner zweijährigen Amtszeit konnten ihm hausgemachte Skandale, Affären, Wutausbrüche und Affronts kaum etwas anhaben.

Er konnte einen Staatenlenker nach dem anderen auf der Weltbühne provozieren, Dutzende Spitzenberater verschleißen und seine Partei ungehindert radikalisieren. Gefährlich wurde das für ihn persönlich selten, weil seine Kernanhänger weiter zu ihm hielten und weil die Republikaner aus einem starken Selbsterhaltungstrieb heraus Protest herunterschluckten.

Mit diesem Prinzip dürfte es in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit vorbei sein. Trump kann sich nicht mehr sicher sein, dass er die politische Dynamik in den USA als treibende, oft verstörende Kraft in der Hand hält. Konnte man bis vor Kurzem noch davon ausgehen, dass Trump gute Chancen auf eine volle Amtszeit und sogar eine Wiederwahl im Jahr 2020 hat, zweifeln plötzlich viele Beobachter daran.

Zu Recht. Der US-Präsident ist mit wachsenden Widerständen konfrontiert – und aktuell ist er ein mieser Krisenmanager. Schuld daran sind nicht nur die üblichen schwierigen Umstände, mit denen auch Trumps Vorgänger zu kämpfen hatten. Schuld an seiner Misere ist Trump selbst. Sein Ego, seine Sturheit, seine Inflexibilität werden ihm schleichend zum Verhängnis.

Trumps Fehler Nummer eins liegt einige Monate zurück. Der Präsident hätte die Kongresswahlen im November 2017 als Warnsignal betrachten müssen, denn nichts anderes waren sie. Zwar konnten die Republikaner ihre Mehrheit im mächtigen Senat halten, doch im Repräsentantenhaus verloren sie Dutzende Abgeordnetensitze an die Demokraten.

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Spätestens in der Wahlnacht hätte Trump dämmern müssen, dass sein aggressiver Einwanderungskurs, sein endloser Handelskrieg, seine Steuerreform und sogar die Rekordbeschäftigung nicht ausreichen, um seine Macht langfristig zu sichern. Trumps Fehler Nummer zwei besteht darin, dass er keine Konsequenzen aus dem Wahlergebnis zog.

Er hätte verstehen müssen, dass er einen Teil der Menschen zwar weiter fasziniert, aber moderat-konservative Wähler mit ihm nichts anfangen können. Ein weiterer, schmerzhafter Wendepunkt war die Nachricht von General Motors, seine US-Werke zu schließen. Trumps größter Goldschatz, die bislang blühende Binnenwirtschaft, wirkte plötzlich wie billiges Blech.

Trump kämpft an mehreren Fronten

Statt seinen gnadenlosen Populismus zumindest in Nuancen auf den Prüfstand zu stellen, verkämpft sich Trump inzwischen an mehreren Fronten, er wirkt zunehmend getrieben. Dramatischer Ausdruck dessen ist der aktuelle Shutdown der Regierung, der eben nicht nur die Elite in Washington trifft, sondern landesweit auch durchschnittliche Angestellte, die von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben.

Der Shutdown ist ein von Trump angezettelter Streit ohne Exit-Strategie. Er ist kein notwendiges Übel, sondern das Ergebnis einer rotköpfigen Bockigkeit. Souveränität sieht anders aus.

Noch immer gilt: Stellen die Demokraten keinen starken Präsidentschaftskandidaten oder keine starke Kandidatin auf, könnte sich Trump über 2020 hinaus im Weißen Haus halten. Auch dass Trump freiwillig vorzeitig abtritt, ist unwahrscheinlich. Und doch sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Stressfaktoren hinzugekommen, die ihn unter Druck setzen.

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Der Rückhalt seiner Partei bröckelt, gerade warf Senator Mitt Romney, der sich lange mit Kritik bedeckt hielt, Trump öffentlich Charakterschwäche vor. Hinzu kommen ungemütliche Umstände, die 2019 drohen. Der Wirtschaftsaufschwung könnte sich zeitnah abschwächen, schlechte Zahlen könnten seine Kampagne vermiesen.

Die Opposition ist hochmotiviert

Und im Kongress hat es der US-Präsident mit einer erstarkten und hochmotivierten Opposition zu tun, die mit Untersuchungen in Trumps Finanzströmen und fragwürdigen Geschäften herumbohren wird. Ein Impeachment ist nach wie vor unrealistisch, jedenfalls wenn die Russlandaffäre keine nennenswerten neuen Vorwürfe ans Tageslicht bringt. Aber wenn die Demokraten klug und konzertiert auftreten, können sie eine permanente Drohkulisse aufrechterhalten.

Am Ende werden die Wähler entscheiden, wie lange sie Trump im Amt behalten wollen. Gerade tischt der US-Präsident seinen Bürgern immer und immer wieder dasselbe Rezept auf, ohne die vielen unterschiedlichen Geschmäcker in Betracht zu ziehen. Reicht das für langfristigen Erfolg?

Im Moment spricht einiges dafür, dass Trump den Beginn seines schleichenden Abstiegs einläutet. Die Umfragewerte kommen nicht aus dem Keller, die Zahl der Republikaner-Anhänger sinkt unter seiner Präsidentschaft. „Beruhigt euch mal alle und genießt die Reise“, twitterte der Präsident zum Jahreswechsel. Auf Dauer werden ihn solche Appelle allein nicht retten.

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Kommentare (2)

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Herr Rainer Marek

03.01.2019, 18:38 Uhr

Sagenhaft! Ich frage mich, wie Frau Meiritz soviel Wissen in einem Text unterbringen kann. Das nenne ich dtsch. Qualitätsjournalismus wie von Frau Merkel erwartet. Ich bin sprachlos! und fassungslos weil doch "Trumps Fehler Nr 1 nur einige Monate zurückliegt". Machen Sie weiter so, dann schaffen Sie es auch zu solch einem guten Spiegel Reporter!! Die Phantasie haben Sie.

Herr Volker Kobelt

04.01.2019, 17:29 Uhr

Langfristig setzt sich in der Demokratie der sog "gesunde Menschenverstand" durch . Das wäre sicherlich das Ende von Herrn Trump. Kurzfristig ist leider oft der Wunsch der Vater des Gedankens, dann müssen wir Herrn Trump noch länger ertragen. Es ist doch erstaunlich, wie plötzlich Demagogen und politische Irrläufer Zuspruch erhalten, irgendwie gehört auch Herr Trump in diese Kategorie. Offensichtlich geht es den Menschen zu gut, dass viele plötzlich die verlässlichsten Politiker nach Hause schicken wollen und Traumtänzern nachlaufen, da benötigen wir bald eine kräftige Kriese.

Herr Trump gibt sich große Mühe, die wirtschaftliche Stabilität des Welthandels und in den USA zu stören, es ist also nur eine Frage der Zeit, wie lange der Zauber noch dauert, dass Herr Trump von den Früchten seiner Anstrengungen weggespült wird.

Mir wäre ein Ende mit Schrecken auch lieber als ein Schrecken ohne Ende. Hoffen wir auf ein baldiges Ende.

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