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25.01.2023

16:16

Kommentar

Um Afrikas Potenzial zu nutzen, reicht kein Kniefall wie in Katar

Von: Teresa Stiens

Grüne Energien sind ein Schwerpunkt der neuen Afrikastrategie. Damit die sich für Deutschland auszahlen, braucht es viel Arbeit. Doch die dürfte sich lohnen.

Im südlichen Afrika liegt großes Potenzial für Erneuerbare Energien. dpa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Im südlichen Afrika liegt großes Potenzial für Erneuerbare Energien.

Robert Habeck dürfte sich wohl nicht erträumt haben, wie intensiv er sich einmal mit Wüsten beschäftigen würde. Die neue Aufmerksamkeit des Wirtschaftsministers für Regionen mit viel Sand ist vor allem der Energiekrise geschuldet.

Nach seinem Besuch beim Emir von Katar, der Deutschland mit Flüssiggas versorgen sollte, zog es Habeck zuletzt in die Wüste Namibias. Dort sind Wind und Sonne grenzenlos vorhanden und sollen bald als Energielieferant auch für Deutschland dienen. Zehn Milliarden Euro sollen in ein Wasserstoffprojekt vor Ort investiert werden.

Auch die neue Afrikastrategie des Entwicklungsministeriums hat grünen Wasserstoff als einen Schwerpunkt ausgemacht. Doch die afrikanischen Länder dürfen nicht mehr nur als zu entwickelnde Nachzügler betrachtet werden. Wir müssen sie auch als Wirtschaftspartner ernst nehmen.

Der Ausdruck „Partnerschaft auf Augenhöhe“, der in der Entwicklungszusammenarbeit schon fast zur Floskel verkommen ist, muss in wirtschaftlichen Beziehungen unbedingt gelten. Denn sonst werden andere bei lukrativen Deals vorne liegen – China zum Beispiel.

Die Wüstenbesuche des Robert Habeck zeigen den derzeit noch herrschenden Unterschied zwischen den Energiepartnerschaften, die Deutschland aufgrund der Abkehr vom russischen Gas international eingeht. Während der Emir von Katar schnelle Lieferungen und eine lange Laufzeit versprechen konnte, müssen die Strukturen in Namibia erst noch geschaffen werden.

Deutschland hat jetzt eine Chance für Jahrzehnte

Doch zugleich zeigt sich auch das große Potenzial von Kooperationen mit afrikanischen Staaten. Die günstigen Gegebenheiten vor Ort versprechen grüne Energiequellen, die Deutschland auch beim Einhalten der Klimaziele behilflich sein werden. Außerdem hat Deutschland jetzt die Chance, Partnerschaften für die kommenden Jahrzehnte zu etablieren, die dem Ziel, Energiequellen langfristig zu diversifizieren, sehr zuträglich sein können.

Im Energiesektor und auch bei anderen Wirtschaftsbeziehungen mit dem südlichen Nachbarn gilt: Langfristige Kooperationen und Strukturen aufzubauen ist viel Arbeit. Ein Kniefall vor dem Emir tut es dort nicht, es braucht Investitionen und langfristige Zusammenarbeit. Doch in einer Welt, in der bisher sicher geglaubte Partnerschaften mit Russland oder China langsam wegbrechen, würde sich der Aufwand lohnen. Denn der Kontinent verspricht langfristig einen extrem hohen Return on Investment.

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