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21.06.2022

16:24

Kommentar

Unternehmen sollten sich nicht vom billigen Euro blenden lassen

Von: Ulf Sommer

Die exportstarken deutschen Konzerne profitieren derzeit von der schwachen Währung. Doch der Effekt ist vorübergehend. Unternehmen sollten schon jetzt die Schweizer Strategie fahren.

Der Euro dürfte wieder steigen, wenn die EZB die Zinsen mehrfach anheben wird. Imago

Euro-Münze

Der Euro dürfte wieder steigen, wenn die EZB die Zinsen mehrfach anheben wird.

Inmitten der vielen konjunktur- und kriegsbedingten Krisen treibt derzeit vor allem der schwache Euro die Gewinne der exportstarken deutschen Unternehmen. Sie verkaufen ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger, weil der Euro zum Dollar binnen eines Jahres gut zwölf Prozent an Wert verloren hat. Zugleich nehmen sie für ihre in Amerika und weiten Teilen Asiens verkauften Produkte und Dienstleistungen mehr ein, sobald sie ihre Erträge in Euro umrechnen.

Allein dieser Effekt steuert bei den 40 Dax-Konzernen in diesem Jahr einen Zusatzgewinn von mehr als zehn, vermutlich sogar mehr als 20 Milliarden Euro bei.

So erfreulich dieser Ertragsschub auch ist, über den Zustand und die tatsächliche Entwicklung der Firmen sagt dieser unverhoffte Währungs- und Umrechnungseffekt wenig aus. Denn es sind nur vorübergehende Effekte.

Der Euro dürfte wieder steigen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts hoher Inflationsraten die Zinsen, wie schon in den USA, mehrfach anheben wird. Das dürfte Investoren stärker in Euro-Anlagen locken.

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    Das Einzige, was die EZB davon abhalten könnte, ist eine tiefe Wirtschafts- oder Schuldenkrise. Dies aber kann niemand ernsthaft herbeisehnen – auch die Unternehmen nicht. Denn dann wären die wirtschaftlich realen Probleme größer als die Vorteile aus einer billigen Währung.

    Deshalb sollten die Unternehmen alles daransetzen, angesichts knapper Materialien und steigender Preise effizienter und hochwertiger zu produzieren, zumal unsere Löhne und damit Produktionskosten ohnehin höher sind als in fast allen anderen Ländern.

    Mit dieser Strategie fahren übrigens Schweizer Unternehmen wie Nestlé und Novartis bis hin zu Lindt & Sprüngli, Hublot und anderen Luxusherstellern seit Jahrzehnten im harten Franken-Land bestens. Deutschen Unternehmen war dies in alten harten D-Mark-Zeiten ebenfalls lange Zeit gut gelungen.

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