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19.06.2022

18:00

Kommentar

Verbraucher werden von Habecks Gaskraftwerke-Entscheidung profitieren

Von: Klaus Stratmann

PremiumDer Wirtschaftsminister muss alte Kohlekraftwerke wiederbeleben, um die Gasversorgungskrise zu meistern. Das fällt ihm schwer. Stromverbraucher werden es ihm danken.

Robert Habeck dpa

Robert Habeck

Die Aktivierung der Kohlekraftwerke dürfte für den Grünen-Minister besonders bitter sein.

Am Sonntag hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ein Zeichen gesetzt. Er hat laut und deutlich gesagt, dass Gaskraftwerke möglichst schnell vom Netz gehen sollen, damit mehr Erdgas für die Befüllung der Gasspeicher zur Verfügung steht. Als Ersatz gehen alte, mit Kohle und Öl betriebene Kraftwerke wieder in Betrieb.

Aus klimapolitischer Sicht ist das misslich. Zwar wird der CO2-Ausstoß im Energiesektor durch das europäische Emissionshandelssystem begrenzt; die Gefahr, dass die CO2-Emissionen des Energiesektors in ungeahnte Höhen schießen, besteht daher nicht. Doch der Symbolgehalt der Entscheidung ist verheerend: Ausgerechnet ein Wirtschaftsminister der Grünen muss sich der Erkenntnis stellen, dass die alten CO2-Schleudern in Zeiten wie diesen unverzichtbar sind. Das Argument der Braunkohlekraftwerksbetreiber, Braunkohle sei die einzige nationale Energiereserve, die kostengünstig und in großen Mengen zur Verfügung stehe, hat damit neue Bedeutung erlangt.

Vordergründig geht es darum, dafür zu sorgen, dass Deutschland mit einem möglichst hohen Füllstand der Gasspeicher in den nächsten Winter geht. Der Bund ist sogar bereit, zusätzliche Milliardenbeträge zur Verfügung zu stellen, um diesem Ziel mit zusätzlichen Gaseinkäufen in den kommenden Monaten nahezukommen.

Gasversorgung in Deutschland: Gleicher Preis für Strom aus Kohlekraftwerken und Gaskraftwerken

Doch es gibt einen Effekt der Maßnahme, der in der öffentlichen Debatte meist unerwähnt bleibt. Gaskraftwerke sind am Strommarkt in der Regel preissetzend.

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    Das heißt: Die letzte Megawattstunde, die an der Strombörse für eine bestimmte Stunde nachgefragt wird, stammt meist aus einem Gaskraftwerk – und ist die teuerste. Der Preis, der für den Strom aus dem Gaskraftwerk bezahlt wird, gilt dann aber auch für alle anderen Erzeugungsarten – sehr zur Freude der Betreiber von Kohlekraftwerken, Atomkraftwerken, Ölkraftwerken, Windrädern und Photovoltaikanlagen.

    Dieser sogenannte Merit-Order-Effekt spült allen Stromerzeugern hohe Summen in die Kassen. In den vergangenen Wochen und Monaten haben viele Stromerzeuger enorme Gewinne gemacht. Längst ist die Debatte darüber, ob man nicht eine „Übergewinnsteuer“ einführen sollte, in vollem Gange.

    Die Verbraucher sparen durch Robert Habecks Entscheidung Geld

    Sollte sich die aktuelle Gasmangelsituation weiter zuspitzen, wird das die Preise für Erdgas selbst und damit für den mittels Gas produzierten Strom noch weiter in die Höhe treiben – zulasten der Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher, die heute schon unter den hohen Strompreisen leiden. Je seltener aber Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen, desto besser dürfte das für die Verbraucher sein.

    Habecks Maßnahme dürfte damit einen preisdämpfenden Effekt haben. In diesen Zeiten ist das nicht die schlechteste Botschaft.

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