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14.11.2018

19:18

Kommentar

Vom unwürdigen Geschacher um neue Amazon-Standorte profitiert vor allem Jeff Bezos

Von: Britta Weddeling

Der Chef des Versandriesen verwandelte die Suche nach einem neuen Standort in ein Marketing-Spektakel – nur um ein paar Steuergelder zu sparen.

Der Amazon-Chef machte aus der Standortvergabe für Amazon einen Wettstreit – 238 Kommunen kämpften um den Onlineriesen. Reuters

Jeff Bezos

Der Amazon-Chef machte aus der Standortvergabe für Amazon einen Wettstreit – 238 Kommunen kämpften um den Onlineriesen.

Eigentlich war es kein richtiger Wettbewerb. Der Gewinner stand schließlich von Anfang an fest: Jeff Bezos. Mehr als ein Jahr lang ließ der Amazon-Gründer amerikanische Städte gegeneinander antreten. 238 Bewerber buhlten um die Gunst des Onlineriesen, der den Aufbau einer zweiten Firmenzentrale in Nordamerika versprach.

Die Kandidaten unterboten sich mit Steuervergünstigungen und anderen Annehmlichkeiten. Monatelang tobte ein irrer Standort-Wettstreit, wie er sonst nur zu den Olympischen Spielen stattfindet. Am Ende profitierte Amazon am meisten von dem unwürdigen Geschacher.

Bezos, der mächtigste und wohl auch geschickteste Händler der Welt, hielt sich monatelang mit positiven Nachrichten im Gespräch und sicherte sich gleichzeitig das beste Angebot.
Sicher, jede Kommune gewinnt, wenn der neue Nachbar Amazon heißt. Die auserwählten Städte New York und Crystal City in Northern Virginia dürfen auf ein Investment in Höhe von je 2,5 Milliarden Dollar hoffen und auf 25.000 neue Arbeitsplätze – sofern sich Bezos an seine Versprechen hält.

Trotz aller Risiken und Nebenwirkungen, die Amazon mit sich bringt, darunter steigende Preise für Wohnraum, Büros und Lebenshaltung oder die Förderung des Verkehrschaos, dürfte den Städten ein Boom bevorstehen. Doch mit dem Bieterstreit, den Amazon so gerissen anzettelte, hat das Unternehmen eine wichtige Chance vertan.

Wie kein anderer Konzern steht Amazon derzeit unter politischem Druck. Gewerkschaften und Politiker werfen dem Konzern vor, Löhne zu drücken und die Automatisierung voranzutreiben – unter dem Strich also nicht gut für die Kommunen zu sein.

Der amerikanische Präsident Donald Trump brachte gar ein Kartellverfahren gegen den Onlinehändler ins Gespräch. Bezos, der reichste Mann der Welt, hat mit mathematischer Kühle Städte gegeneinander ausgespielt, nur um ein paar Steuergelder zu sparen. Beliebter hat sich Amazon damit nicht gemacht.

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