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14.11.2022

17:48

Kommentar

Von Amazon bis Meta – die besten Zeiten von Big Tech sind vorbei

Von: Thomas Jahn

Die Krise mehrerer Tech-Konzerne zeigt: ihr Geschäftsmodell stößt an Grenzen, das Wachstum flacht ab. Das Zeitalter der allmächtigen Chefs ist vorüber, mehr Demut ist nötig.

Der Meta-Chef stößt mit seiner Strategie an Grenzen. Reuters

Mark Zuckerberg

Der Meta-Chef stößt mit seiner Strategie an Grenzen.

Bislang kann man das Wirken von Elon Musk bei Twitter mit nur einem Wort umschreiben: Desaster. Es zeigt sich: Zu viel Macht in den Händen einer Person bedeutet immer auch ein hohes Risiko. Das ist auch bei Meta der Fall, wo Mark Zuckerberg Milliarden in das Metaverse investiert hat. Bislang gab der CEO dafür das 20-Fache dessen aus, was Apple in das erste iPhone steckte – ohne viel vorweisen zu können.

In Boomzeiten würde das vielleicht weniger auffallen. Doch flacht sich das Wachstum von Amazon, Apple, Google, Meta und Microsoft ab. Die Netzwerkeffekte schwächen sich ab, die Werbeeinnahmen unterliegen anders als früher konjunkturellen Schwankungen – und die Börsenkurse fallen. Insgesamt verloren die fünf Tech-Werte im vergangenen Jahr fast drei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung.

Die Konzerne werden Opfer ihres eigenen Erfolgs. Amazon erlöst fast 500 Milliarden, Apple rund 400 Milliarden oder Google fast 300 Milliarden Dollar – gewaltige Summen, bei denen hohe Zuwachsraten kaum noch vorstellbar sind.

Eine Einstellungsorgie seit 2020

Schon vor Jahren fürchteten sich die erfolgsverwöhnten Unternehmen vor diesem Moment. Um ihn möglichst lange hinauszuschieben, versuchten sie, immer neue Wachstumsfelder aufzubauen. Amazon, Microsoft und Google investierten in die Cloud. Zuckerberg kaufte vor einem Jahrzehnt die Fotoapp Instagram und 2014 den Nachrichtendienst WhatsApp. Insgesamt alles geniale Schachzüge.

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    Allerdings stößt die Strategie an ihre Grenzen. Mit vielen Zukäufen und Investitionen stellte sich eine gewisse „conglomeritis“ in Big Tech ein, sie werden immer unübersichtlicher. Im vergangenen März überstiegen ihre Ausgaben zusammengenommen erstmals die Billion-Dollar-Grenze. Die digitalen und angeblich „Asset light“-Geschäftsmodelle sind in Wirklichkeit schwer, wie sich an den 600 Milliarden Dollar ablesen lässt, die ihre Rechenzentren und andere physische Assets insgesamt wert sind.

    Auch gab es eine Einstellungsorgie, allen voran bei Meta. Zuckerberg stellte seit 2020 rund 39.000 Mitarbeiter ein, fast eine Verdopplung der Belegschaft. Jetzt muss er 11.000 entlassen und sich entschuldigen.

    Auf der Suche nach Wachstum geraten die Tech-Werte außerdem immer stärker in Konflikte miteinander, wie der Vorstoß von Apple, Microsoft und Amazon in den Verkauf von Onlinewerbung zeigt – dem Kerngeschäft von Google und Meta.

    Die Konsequenz: In den vergangenen fünf Jahren fiel die Kapitalrendite von Big Tech von 60 auf 26 Prozent.

    Übermächtiger Einfluss der Chefs

    Amazon oder Google sind jetzt keine One-Man-Shows wie Musk bei Twitter. Aber Zuckerberg kontrolliert mit einem Zwei-Klassen-Aktiensystem die Stimmenmehrheit. Auch bei Google verfügen die Gründer über 51 Prozent der Stimmen. Bei Amazon ist Gründer Jeff Bezos als Chef zurückgetreten, aber als Executive Chairman mit einem Anteil von 15 Prozent besitzt er großen Einfluss – und kann beispielsweise teure Abenteuer wie das Projekt Kuiper, wo Amazon für zehn Milliarden Doller ein globales Satelliten-Internet aufbaut, durchsetzen.

    Interessanterweise hält sich ein Unternehmen am besten, das nicht von einem übermächtigen Chef gelenkt wird: Apple. CEO Tim Cook ist unumstritten, aber nicht wegen seiner Anteile. Ihm gehört nur ein winziger Bruchteil am Unternehmen. Vielleicht einer der Gründe, warum der iPhone-Konzern vorsichtiger ist. So liebäugelte Apple lange Zeit mit dem Einstieg in die Autoproduktion. Doch ersparte sich der Konzern das kostspielige Abenteuer, die Aktionäre belohnen es mit der höchsten und vergleichsweise stabilsten Marktkapitalisierung von 2,4 Billionen Dollar.

    Big Tech wird weiter mächtig bleiben, aber die Zeiten des großen Wachstums sind vorbei. Um diese neue Marktphase zu managen, braucht es Vorstandschefs, die demütiger und weniger abenteuerlustig sind. Chefs auch, die mehr auf die Aktionäre hören. Ein für Big Tech noch ungewohntes Führungsprinzip.

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